Zwischendurch-Urläubchen

Beste Freunde,

nun musste ich fast 4 Wochen lang meinen neuen Brief an euch im Kopf behalten, weil Annegret nicht zum Aufschreiben kam. Es liegt zwar mal wieder nichts Besonderes an, aber viele von euch warten ja immer auf Post von mir.

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Das war nämlich so im Oktober:

Ehrlich, ich dachte ja schon, wir machen in diesem Jahr überhaupt keinen Urlaub, als Annegret auf einmal an einem Montag zu mir sagte: „Weißte was? Ich hab zwar viel Arbeit, aber bis Freitag keinen Termin. Wir hauen einfach ab. Ich mach ´ne Anrufweiterschaltung aufs Handy und nehme Bürokram mit.“

Gesagt, getan. Schon am Dienstag hatte ich einen Urlaubssessel.

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Da bestehe ich ja inzwischen drauf.
In einem Urlaub ohne Sessel oder Sofa kann und will ich mich nicht erholen.

Dann ging´s endlich nochmal auf die Strecke! Meine Güte, wie mir das Wandern in letzter Zeit gefehlt hat! Annegret geht zwar wirklich jeden Tag 3-4 Mal mit mir, aber keine so langen Touren. Zeitmangel! Geldverdienen! Damit es mir gut geht! Mir geht´s doch am Besten, wenn ich draußen bin!
Also, unsere erste Tour fand bei Traumwetter statt. Traumwetter, Traumlandschaft.

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Und schon tauchte etwas ganz Interessantes am Wege auf, meinte Annegret jedenfalls: Ein durchsichtiges Schild mit Text und der echten Landschaft als Hintergrund.

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Dann aber weiter.

Hach, war das schön, mal wieder richtig rumzupirschen und Neuland zu erkunden. Das brauche ich!

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Eigentlich gibt es überhaupt keine hundert Meter auf dieser Erde, wo nicht irgendetwas zu entdecken oder zu beschnuffeln ist! Das finde ich toll! Und Annegret findet toll, dass ich immer so aufmerksam durchs Leben gehe und mich für alles interessiere.

Ich mag auch, dass alles so abwechslungsreich ist, wenn man unterwegs ist. Zum Beispiel dieser Lichtblinkwald.

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Rechts unten glitzerte ganz hell das Wasser. Wir umrundeten nämlich gerade einen See.

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Hier flog immerfort ein Graureiher rum und landete wieder und flog wieder weiter. Dabei hat er mit hässlichem Gekrächze die Ruhe gestört.
Vielleicht hat er aber auch geschimpft, weil er meinte, dass wir ihn stören. Wollten wir aber nicht.

Was mich dann doch ein bisschen nervte, war Annegrets Handy, das ziemlich oft ging. Selbst draußen wurden Adressen aufgeschrieben und Termine gemacht. Ich glaube aber, es hat keiner gemerkt, dass sie nicht am Schreibtisch saß.

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Dann kam wieder so eine schöne Stelle mit Wiese, Bäumen und blauem Himmel, dass Annegret laut zu singen anfing, aus einem „Korahl“, wie sie diese Lieder nennt:
„Mein Auge schauet, was Gott gebauet …“.

Ich summe mir meine Version: „Die Nase riechet, was kreucht und fliechet …“.

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Jetzt mal ehrlich. Ich möchte ja niemals Mensch sein! Was für ein beschränktes Leben! In den zweieinhalb Jahren, die ich jetzt bei Annegret bin, muss ich doch denken: Ist das denn schön, – ein Leben immer mit Arbeiten und vielen Problemen? Sooft Leute sich unterhalten, geht es um Probleme und Arbeit.
Mal ehrlich: Ich habe das bessere Leben erwischt: Leben mit Freude und allen Sinnen! Und wie gut bin ich ausgestattet! Die eigentliche Welt ist doch die Welt der Sinne! Das heißt riechen, riechen, riechen!

Welcher Reichtum!
Wie kann man mich nur wegziehen, wenn ich schnuppere!

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Und dann noch „pfui“ sagen!

Und lecken und schmecken!

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Ehrlich: Jeder Bach schmeckt anders, auch jede Pfütze!

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Oder leises Knistern und Knacken im Wald: Ich höre ja alles. Sehen kann ich auch sehr gut. Ich finde sogar – wenn ich sie höre – Zugvögel am Himmel.

Also ehrlich, ich bin soo froh, dass ich als Hund geboren wurde. Zwar möchte ich immer und gerne bei Menschen sein, aber ich möchte kein Mensch sein.

Am nächsten Morgen war es etwas laut draußen. Da musste ich doch mal nachsehen.

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Ach so, unten auf dem Dorfplatz war ein Markt aufgebaut!

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Das Treiben habe ich mir eine ganze Weile angeschaut. Annegret ist auch etwas einkaufen gegangen.

Und dann ging´s wieder raus.

Wieder mit einer Sehenswürdigkeit!

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Ich fand: Würdig, das Bein daran zu heben.

Am Donnerstag hat´s geregnet, aber wir sind trotzdem losmarschiert. Irgendwie ist mir da was Blödes passiert. Ich hatte auf einmal eine Gesichtshälfte total dreckig. Ich habe noch versucht, das am Waldboden abzureiben, aber davon wurde es auch nicht besser.

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So hat Annegret mich später schön sauber gemacht und eingepackt. Geschimpft hat sie nicht.

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Ja, dass wir dann nicht bis Freitag bleiben konnten, war sehr, sehr schade. Leider musste Annegret zurück zur Kirche wegen einer Trauerfeier.
So ein Trauerspiel.

Jetzt aber noch etwas ganz anderes: Ich bin ja manchmal abends in unserer Wohnung so was von jeck! Dann rase ich wie bekloppt rum und nehme dazu noch meine Spielsachen. Und Annegret schreit durchs ganze Haus vor Lachen. Das macht mich oft noch jecker.
Neulich habe ich nochmal meinen Korb ausgeschüttet, um zu sehen, was mir alles gehört.

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Am besten sind die von Annegret selbstgemachten Spielsachen. Da kann man sowas von mit rumfuhrwerken und zerren und schleudern!

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Wenn ich dann so einen Tobeanfall hinter mir habe, ist in der Wohnung fast alles woanders. Macht aber nix, solange Annegret lacht und wieder aufräumt.

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So, ich glaube, das war´s.
Halt! Noch etwas fällt mir ein!
Gestern habe ich es erfahren.

Wir fahren im Dezember nochmal nach Holland! Suuuper!
Annegret sagt: „Möwen und Muscheln zählen!“
Wisst ihr, was das heißt? Den ganzen Tag draußen sein!
Ich freu mich tierisch.

Macht´s gut!

Ich sowieso!

Euer Hannes

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