Berggottesdienst mit Hunden!

Sonntag, 19. September:

„Gut, dass ich den Wetterbericht gewechselt habe“, sagte Annegret gestern. Sie hat nämlich im Internet nicht mehr unter „Sonthofen – Wetter“ nachgesehen, sondern „Wetter-Oberallgäu“, und da wird ab heute gutes Wetter gemeldet. Und was anderes hat sie auch noch nachgesehen, dass es nämlich im Allgäu Berggottesdienste im Freien gibt. „Kann ja nicht sein, dass wir nur dienstlich zur Kirche gehen“, meint sie. Im Urlaub gehört sich das erst recht und ich kann dich mitnehmen.

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Eigentlich bin ich ja ein Kirchenhund, spätestens seit meiner Adventsandacht. Wenn ihr das noch nicht wisst, könnt ihr es in meinem Blog nachlesen. http://www.hannes-kadur.de/2006/12/

Jetzt aber wieder zu unserem Vorhaben:
Auf der Wanderkarte hat Annegret den Weg rausgesucht von Beilenberg bis zur Straußberger Hütte.

„Hm, müsste zu schaffen sein, 2 Stunden hin, alles bergauf, nachher knapp 2 Stunden zurück. Da müssen wir um 9 Uhr los.“ Das hört sich natürlich für mich supergut an.

Die ganze Wanderung hinauf wird – mit einer kleinen Ausnahme – nur schön! Davon will ich euch als erstes erzählen. Natürlich kommen wir an meinem Gemüsesuppenwassertrog vorbei und ich genehmige mir schnell ein Frühschöppchen.

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Von früh an arbeitet die Sonne, damit sie die Wolken wegbekommt.

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Nur der Grünten mit seinen fast 1800 Metern ist noch ein bisschen benebelt.

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Den müssen wir auch noch bezwingen. Vorletztes Jahr hat´s schon nicht geklappt, hoffentlich dieses.
„Da braucht man aber ´ne Riesenkondition für“, sagt Annegret. „Das wird ´ne dicke Tageswanderung.“

Dann kommt das, was ich nun wirklich nicht schon wieder brauche: Kühe!

Als wir dieses Tor sehen, ist klar, dass wir uns mal wieder durcharbeiten müssen.

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O je, – zunächst die Vorboten.

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Und dann dieses: Doppelte Straßensperre!

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Annegret nimmt gleich wieder ihren Wanderstock, um die Viehcher auf Abstand zu halten. Klappt wunderbar.

Danach können wir herrlich auf Sonthofen runtersehen.

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„Aus Sonthofen“, sagt Annegret, „kommt auch der Posaunenchor, der nachher spielt.“

 

Sie ist ja ein großer Posaunenchor-Fan. Mal sehen, ob mir das auch gefällt.

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Auf der anderen Bergesseite können wir schon erkennen, wo es hingehen soll. Da ist aber noch ein ziemliches Tälchen dazwischen. Eine Dreiviertelstunde Zeit haben wir aber noch.

Und dann kommen auf einmal so lustig aussehende Schafe. „Du liebe Zeit“, sagt Annegret, „sind die etwa echt?“

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Danach kommen wir unserer Straußberg-Hütte immer näher und man sieht schon einige Menschen. Wir haben´s gerade so geschafft, ein paar Minuten vor elf.

Annegret gerät in Stimmung, weil ihr das so gut gefällt.

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„Guck mal, es sind auch noch andere Hündgen hier.“

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Inzwischen macht sich der Posaunenchor fertig und beginnt mit dem ersten Stück.

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Annegret hört kritisch-wohlgefällig zu und flüstert dann: „Der erste Trompeter spielt ja nun wirklich gut! Aber seine Trompete – sieht aus, als hätte er sie gerade aus dem Heu geholt.“

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Dann beginnt der Gottesdienst – und meine Laune sinkt! Ich dachte, wir würden jetzt weitergehen! Aber weil dem nicht so ist, fange ich an zu fiepen und zu motzen.

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Das hat die Pfarrerin wohl gehört, denn sie sagt in ihrer Begrüßung, dass es schön ist, dass auch Hunde dabei sind, die sich ruhig bemerkbar machen dürfen. Annegret findet mich unmöglich und die anderen Hunde lieb. Wisst ihr was? Die sind nicht lieb, die sind apathisch! Die liegen einfach nur da und interessieren sich für nichts! Ich versuche, alles mitzubekommen und winsele auch ein bisschen bei den Liedern mit.

Erst bei der Predigt komme ich innerlich zur Ruhe.

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Annegret sagt nachher: „Man hätte glatt denken können, dass du zugehört hast, als die Pfarrerin davon sprach, dass unser Bewusstsein und unsere Verantwortung sich auch auf die Tiere beziehen soll, die es nicht so gut haben wie die Allgäu-Kühe, sondern die unter unwürdigen Bedingungen leben müssen.“

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Dann gibt es sogar noch Abendmahl und alle Leute stellen sich in einen großen Kreis.

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Da hat Annegret mich vorsorglich festgemacht: „Bei dir weiß man nie, was du für Ideen hast!“

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Als alles vorbei ist, werde ich sogar noch fotografiert.

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Der Rückweg wird auch ganz herrlich.

Der Grünten hat inzwischen wieder einen klaren Kopf

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und die Kühe stehen nicht mehr auf dem Weg rum

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und Annegret entdeckt noch ein winziges Enzianchen

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und ich …

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… ich muss mich auf einmal ganz still hinsetzen und nochmal eben alles bedenken.

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