Neugierig auf noch mehr Allgäu?

Meine unzählig vielen lieben – besonders ihr neuen – Blog-Lesefreunde,
ich bin immer noch im Allgäu! Jetzt schon über eine Woche.
Es ist aber noch kein Ende abzusehen, sagt Annegret.
Seid ihr neugierig, was ich in den letzten Tagen gemacht habe?

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Sonntag, 12. September:

Bei mir kristallisieren sich doch ganz bestimmte Urlaubsmerkmale heraus. Eine meiner Leidenschaften ist und bleibt das Naturwassersaufen. Kaum haben wir z.B. bei unserer Standardrunde unser Dorf hinter uns,

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kommt ein großer Steinwassertrog mit allerlei Algenkram drin. Hier schmeckt mir das Wasser besonders gut.
„O“, sagt Annegret, „du und deine Gemüsebrühe!“

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Nach dem Viehscheid-Sensationstag, von dem ich euch erzählt habe, haben wir Sonntag nur ´ne kleine Runde gemacht, so 2-3 Stunden. Wir müssen uns ja erst ein bisschen eingewöhnen. Also sind wir zum Sonthofener Hof und noch etwas weiter gestiegen. Es waren bei dem herrlichen Wetter ziemlich viele Leute unterwegs. Das ist nicht so ganz unser Ding. Aber wir haben einen alten Bekannten wieder gesehen, nämlich den Esel hinter mir. Stellt euch vor, der trägt auch ´ne Kuhglocke! So ein Esel!

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Annegret erfreut sich ebenfalls an alten Bekannten: Silberdisteln! 

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Ihr Frohlocken nimmt gar kein Ende, als wir an einer Waldwiese auf jede Menge Enzian stoßen.

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Aber ich habe schon wieder Durst.

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Überall sind die Bauern dabei, noch schnell das letzte Heu reinzuschaffen, weil Regen angesagt ist.

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Montag, 13. September:

Die Wetterfrösche haben richtig geunkt. Es ist sehr nass und wolkig draußen.

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Unser Kapellchen mit seinem neuen Kupferdach sieht aber trotzdem gut.

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„Außerdem“, sagt Annegret, „kann es nicht schaden, wenn ich ein bisschen zum Lesen komme.“
Sie hat sich Allgäu-Krimis mitgebracht. „Genau das Richtige für mich, nicht sehr aufregend, aber amüsant.“
Ich mache es mir auf meinem Nerzbett bequem. Einen passenden Sessel gibt´s leider nicht für mich, – und das Sofa ist tabu.

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Am frühen Abend soll ich wieder zählen lernen. Das ist so ´ne Macke von Annegret. Seit Jahren kriege ich bis drei  vorgezählt. Jeden Morgen! Und zwar so: Annegret frühstückt ja ausschließlich Müsli und ausschließlich eine Sorte:

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Nachdem sie die gehörige Tagesportion auf ihren Teller gelöffelt hat (da zählt sie immer bis 7!), sucht sie mir drei besonders schöne Klumpen raus und legt mir die hin. Das sind die sogenannten „Knusperknäuschen“. Und jeden Morgen sagt sie: „Hier kommen die drei Knusperknäuschen, – eins – zwei – drei!“ Damit legt sie sie hin.

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Dann kommt noch ganz leise: „Knusper, knusper, knusper…“ und das mache ich dann auch.

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Jetzt aber soll ich im Urlaub bis sechs zählen. Und zwar, wenn Rietzlers Kühe zum Feierabend nach Hause gehen. Das sind nämlich sechs an der Zahl. „Hannes, die Kühe kommen!“ ruft Annegret und ich springe auf den Balkon.

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Eins, zwei, drei …

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So, alle durch. Fertig.

Dienstag, 14. September:
Annegrets doppelter Brechreiz

„Heute machen wir die erste richtige Wanderung“, sagt Annegret. Vorher kommt natürlich erst meine kleine Vorfrühstücksrunde (vor den Knusperknäuschen).

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Kaum sind wir an der Kapelle vorbei, können wir über die Kante nach Altstädten runtergucken.
„Die Wolken fliegen gleich weg“, sagt Annegret.

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Dann wird der Rucksack gepackt. Wir fahren nach Oberstdorf. Von hier aus geht die Wanderung nach Gerstruben. „Hoffentlich lerne ich dann mal ein paar Berge besser kennen“, sagt Annegret. Sie bebrütet nämlich -wie vor zwei Jahren- immerfort die Karten und das echte Panorama und kann nur ganz wenige Berge identifizieren. Das wurmt sie.
Unser Wanderbuch schlägt den Nebelhornbahnparkplatz vor. „Pfui“, sagt Annegret, als wir ankommen, „hier müssen wir ja bezahlen! Kommt gar nicht in Frage!“ Also sucht sie was anderes. Wir gehen aber nachher zu Fuß an der Nebelhornbahntalstation vorbei.
„O nein, guck mal! Pfui! Ich krieg den Brechreiz! 200 Leute in der Schlange!

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Wie grauenhaft menschenvoll muss das erst oben sein. So etwas fangen wir gar nicht erst an!“

Unsere Strecke ist ganz passabel.

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Bis auf die Stelle, wo wir wieder durch Kühe durch müssen.

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Kaum sehen sie mich, kommen sie schon wieder an. Aber Annegret nimmt ihren Wanderstock als Abstandhalter. So kommen wir einigermaßen durch.

Dann kommt ein schöner Moorsee …

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… und ein ziemlich menschenfreundlicher Golfplatz …

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… und die immer näher kommende Trettachspitze

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mit ihren fast 2600 Metern!

Aber so weit wollen wir nicht rauf.
Unsere nächste Aufgabe ist der Hölltobel.

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Der Anfang sieht noch recht harmlos aus.

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Doch es wird tierisch steil,

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egal, ob ich rauf oder runter gucke.

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Und dann kommt eine Stelle, wo Annegret erneut sagt: „Ich krieg den Brechreiz!“

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Das Wasser kracht gletschergrün 30 oder 40 Meter in die Tiefe, die Felswände der Schlucht stehen sich an der engsten Stelle nur 2 Meter gegenüber und oben geht ein Brückchen drüber. „Ich kann das nicht,“ wimmert Annegret, „mir wird speiübel! Ich sterbe vor Angst, wenn ich da drüber muss!“ Ich finde das auch nicht sehr witzig, aber wenigstens habe ich mit dem Klettern kein Problem. Wir kraxeln immer höher. Je mehr wir uns dem Übergang nähern, umso wimmeriger wird Annegret. Was soll ich bloß mit ihr machen? Als wir zu dem Steg kommen, ist dieser auch noch aus Gittern! Jetzt wird mir auch ein bisschen mulmig. Aber dann sieht Annegret die Querbalken am anderen Ende. Drüben geht´s nicht weiter. Der Steg ist nur für lebensmüde Fotografen. Zum Glück gehören wir nicht dazu, sondern wollen noch ein bisschen weiterleben. Annegret ist nicht in der Lage, hier ein Foto zu machen. „Nichts wie weg hier“, sagt sie. Und: „Kein Wunder, dass früher hier die Leute dachten, es wäre der Eingang zur Hölle. Das ist er nämlich auch.“ Und wir sind die einzigen Menschen hier weit und breit.

In Schweiß gebadet kommen wir schließlich auf über 1150 Meter Höhe in Gerstruben an.

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Über uns der Höfatsgipfel mit seinen 2258 Metern. Wir machen nur eine kurze Pause. Für den Abstieg nimmt Annegret den Asphaltweg. „Ich brauch wieder was Richtiges unter den Füßen“, sagt sie.

In der Nähe von Oberstdorf halten wir nochmal an.

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 Da kommt doch tatsächlich so ein kurzkrummbeingemischter Hund an und will Freundschaft mit mir schließen.

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 Für so etwas bin ich ja immer zu haben, selbst wenn der andere etwas missfigürlich ist.

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„Nicht jeder ist ein Edelmischling so wie du“, sagt Annegret zu Recht und mit Stolz. Das ist wohl wahr.

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Nach über 4 Stunden sind wir wieder am Auto.

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Uff, das war ´ne gute Runde.

Mittwoch, 15. September:

Ich dachte tatsächlich, wir würden heute gleich wieder durchstarten. „Nö, nö, keine Eile!“ sagt Annegret. „Heute müssen wir erst unseren Muskelkater pflegen. Das macht man am Besten, indem man ihn dehnt!“  Also sucht sie auf der Karte eine nette Runde mit kräftiger Steigung raus, die wir von Beilenberg machen können.

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Unter 3 Stunden tun wir´s nicht.

Schön ist es hier überall und immer wieder!

Donnerstag, 16. September:

O, das Wetter ist so schlecht wie gemeldet. „Hannes, wir haben noch große Touren vor, aber nicht, wenn´s nass und rutschig ist. Wir haben noch Zeit.“
Hm.
Dann sehe ich mir halt an, wie Nachbars Kuhkinder zur Weide gebracht werden.

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Das sind zwei ganz lustige, die vor ein paar Tagen kleine Messingglocken bekommen haben. Kühe zählen am Abend gibt´s übrigens nicht mehr. Wir hatten uns schon gewundert, dass wir morgens nicht mehr wie gewohnt von den Kuhglocken geweckt werden. Annegret hat sich erkundigt. Ab Mitte September kommt das Jungvieh, das bis zum Viehscheid hoch auf der Alpe war, auf die Weiden auf halber Höhe, und die Kühe, die bislang dort waren, bleiben jetzt auf den Weiden bei ihren Bauernhöfen.
So geht das hier!
 

Zum Mittag ist es trocken, wenn auch bedeckt. Annegret sagt: „Ich habe vergessen, Käse zu kaufen. Komm, wir gehen nach Fischen, da gibt es sicher ein gutes Käsegeschäft.“ Wir essen nämlich hier nur Allgäukäse.
Sonthofen wäre viel näher, bringt aber nix für die Muskelkaterpflege. Fischen ist immerhin 5 Kilometer entfernt. Da das aber nicht reicht, wird noch ein Umweg eingebaut und noch ´ne Steigung.

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Fischen ist ja so fein! „Hier riechste keinen Kuhmist,“ sagt Annegret, „was mir hier stinkt, sind die vielen Touristen.“ Wir laufen – ich ganz kurz angehalftert – kreuz und quer, aber überall nur Sportgeschäfte, Cafés, Andenkenläden und so. Annegret gibt aber nicht auf und hat schließlich Erfolg. „O, Hannes, das wird uns aber heute Abend schmecken.“ Aus dem Rucksack kommt tatsächlich Käseduft.

Zurück gehen wir an der Iller, die so gletschergrün ist wie der Hölltobel.

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Der Abend bringt volle Punktzahl.

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Ich warte erst einmal ab und inhaliere schon ein bisschen den Käseduft.

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Klar ist aber, dass ich als großer Käseliebhaber von allen Sorten etwas abbekomme. Nur Rotwein gibt´s nicht für mich. „Du säufst schon genug“, meint Annegret.

Freitag, 17. September:
Zwei Riesenärger

Erster Ärger: Wieder Regen! „Ich glaube, ich muss mal den Wetterbericht wechseln“, sagt Annegret.

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Ich bin schon nach unserer Vorfrühstücksrunde pitschenass.

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Nach dem Mittagessen wir´s aber wieder besser, also raus. Wir sind vielleicht ´ne halbe Stunde unterwegs, da kommt eine sehr schwierige Passage für Hundefüße.

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Irgendwie schaffe ich das und freue mich dann über eine sehr schwierige Passage für Menschenfüße.

„Welche Verrückten“, ruft Annegret, „haben denn hier die Brücke verrückt?“

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Irgendwie schafft sie es über die Steine, auch wenn drei wackeln.

Und dann kommt der zweite Ärger des Tages!
Mich zwickt es schon seit ein paar Tagen, mal so ein klitzekleines Kuhflädelchen zu verkosten. Als ich meine, dass Annegret gerade in ihre Wanderkarte vertieft ist, probiere ich ein solch klitzekleines reibeplätzchengroßes Kuhflädelchen.

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Aber Annegret sieht es und brüllt ein so furchtbares „Aaaaaaaaaaaah!“, dass ich vor Schreck in den Knien einknicke. Und dann kriege ich was zu hören! „Fehlt es dir an irgendetwas? Versorge ich dich nicht gut genug? Wirst du bei mir nicht satt? Bist du etwa mit dem teuren Allgäukäse nicht zufrieden? Du wirst nie ein feiner Mann!“ O je, wie soll ich nur meine Ohren abschließen? Es geht sogar noch weiter. „Wart ab, wir machen hier und sofort noch einen kleinen Umweg, und dann werde ich dir Kuhfladen kaufen!“ 

Damit ändert sie die Richtung. Wir gehen nach Altstädten. Ich schleiche ganz brav neben ihr her und warte dann draußen vor einem Geschäft, in dem Annegret verschwindet.
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Als sie rauskommt, bekomme ich sofort etwas angeboten. Ich bin aber skeptisch.

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Doch probieren muss ich mal. Es riecht so gut.

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Ooooooooooh!

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Das ist die süßeste Versuchung, seit es Kuhfladen gibt!

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