Nicht ohne meinen Rucksack!

Donnerstag, 23. September:

Bei mir geht heute gar nichts mehr!

P9230298

Wir haben gestern eine Bergtour gemacht, die alles Bisherige geschlagen hat!

Ich habe einen wahnsinnigen Muskelkater.

P9230296

Von allen möglichen Entspannungsübungen und Gymnastik erhoffe ich mir Linderung.

P9230297
P9230308
P9230307

Annegret jault auch bei jeder Treppenstufe.

Erst am Nachmittag kriege ich wieder ein bisschen Spannkraft, als ich eine Katze in der Nähe unseres Hauses die Straße kreuzen sehe,

P9230311

und danach, als wir uns noch einmal die „Hügel“ ansehen, die wir gestern erklommen haben.

P9230315

Beilenberg, unser so geliebtes Kuhdorf, liegt auf 826 Meter Höhe. Unser Ziel lag einen Kilometer höher!

P9230318kopie

Davon will ich wenig erzählen, aber viele Bilder zeigen.

 

Mittwoch, 22. September:

Schon am Dienstagabend fängt Annegret mit der Vorbereitung an. Immer wieder nimmt sie Wanderkarte und -buch und sagt dann: „Hannes, das wird morgen bei dem herrlichen Wetter eine Königsetappe. Klar ist, dass ich meinen großen Rucksack nehme.“ Sie hat ja auch nur 3 dabei. Und wie ich sie kenne, wird dieser voll und schwer. „Sonst merk´ ich ja gar nicht, dass ich unterwegs bin“, sagt sie. „Und du, Hannes, nimmst auch deinen Rucksack mit. Ich pack dir Futter und Wasser ein, denn wir wandern ganz lange über den First. Da fließt kein Wasser.“ Damit bin ich einverstanden.
Nur das Problem des Schuhwerks bleibt ungelöst. Also nicht für mich. Klar.

P9220187

„Wenn meine Füße nicht nur diese Sandalen so lieben würden! 20 Kilometer ohne Socken kein Problem. Wir haben allerdings nur 10 Kilometer, aber Berge! Jeder Bergschuhverkäufer würde einen Anfall kriegen!“ Dann betrachtet sie die Sohlen.

P9260453

„Auch nicht mehr das, was sie mal waren. Da ich aber alleine entscheide, nehme ich die Sandalen. Und beide Stöcke!“

Wir starten nicht allzu früh, damit es nicht noch zu kalt ist, denn der erste Teil geht durch Wald. Nun muss ich mich erst mal wieder an den Rucksack gewöhnen.
Hin und wieder schüttele ich mich am Anfang, aber dann ist alles klar.

P9220165kopie
P9220163

„Letzte Tankstelle vor den Gipfeln“, sagt Annegret.

P9220166

Ich tanke.

Nach einer halben Stunde die Wegweiser: Sonnenköpfe noch zweieinhalb Stunden.

P9220158

„Da liegen wir gut in der Zeit“, meint Annegret.
Dann kommt das, was ja bei keiner Wanderung fehlen darf: Rindviehcher!

P9220162P9220161P9220167

Es wird unglaublich steil und Annegret ist schon nass geschwitzt. Bei einem sonnigen Abschnitt will sie sich die Sonnenbrille aufsetzen, die bislang auf dem Kopf steckte.
„O, sieh dir das an, meine Haare haben die ganze Brille bedampft!“

P9220179

Dann kommt endlich eine kleine Schneise mit Ausblick.
Wow!

P9220173

Sonthofen ganz weit dahinten und unten!

P9220175

Und gegenüber: Unsere Wanderung von vorgestern mit Fischen unter uns, dahinter Höllenbahnberg und Riedbergerhorn.

P9220177kopie
P9220171

Es wird noch steiler!

P9220184

„Rechts musst du gucken!“ sagt Annegret. „Da kann man schon ein bisschen den Schnippenkopf sehen. Der ist aber noch weit.“

P9220185

Dann fangen die Zickzack-Kehren an mit folgendem Problem:
Befestigt an Annegrets Rucksackgürtel sind wieder meine Leine und die Kameratasche.

P9220232

Da ich fast immer die Vorhut bilde, bin ich bei den Zickzack-Kehren meistens schon auf Zack, während Annegret noch auf Zick ist, und damit ziehe ich in die falsche Richtung. „Langsam!“, sagt sie dann immer, „ich muss erst um die Kurve!“ Ich warte dann meistens oberhalb, denn mit den paar Metern Vorsprung bin ich schon ´ne Etage höher.

P9220191
P9220188

Mir hängt die Zunge inzwischen auch ganz schön.

Der Grünten kommt uns richtig klein vor.

P9220189

Das letzte Stück vor dem ersten Gipfel wird noch viel steiler als alles bis jetzt.
Annegret mit vollem Stockeinsatz und höchster Konzentration.

Manchmal guckt sie zu mir hoch und wundert sich, dass ich locker schon meterweise vorgesprungen bin, und das mit Rucksack!

Dann endlich nach drei Stunden der erste Gipfel: Sonnenkopf!

P9220195

Von hier aus kann man das Retterschwangertal und die gegenüberliegenden Berge sehen.

P9220196

Ich kann mich überhaupt nicht losreißen.

P9220194

„Hannes, weiter!“
Jetzt kommt erst nochmal ein Abstieg von etwa 50 Höhenmetern, bevor es dann zum Heidelbeerkopf geht. Den Pfad kann man wunderbar erkennen.

P9220198

P9220197

Und rechts daneben dahinter sieht man schon den Schnippenkopf. 

Ich bin so begeistert!

P9220202

Die Ortschaften unter uns, die Hörner- und Nagelfluhkette werden immer kleiner.

P9220200

Der Anstieg zum Heidelbeerkopf wird noch steiler! Kraxel, kraxel, kraxel. Annegret keucht und dampft.
Zwischendurch müssen wir mal anhalten und zurücksehen, woher wir gekommen sind.

Meine Güte!

P9220203
P9220204
P9220205

Ich bin hin und weg!
Aber wir haben ja noch den Schnippenkopf vor uns.

Wieder geht´s steil bergab. Ihr könnt sicher den schmalen Pfad an den Fichten entlang erkennen.

P9220206
P9220207

Natürlich sind wir nicht die einzigen hier oben. Aber es lässt sich aushalten. Es gibt ja weit und breit keine Straße und auch keine Höllenbahn hierher.
Beim Zurückschauen sind bereits die Nächsten auf dem Heidelbeerkopf. 

P9220208

Ich kann mich überhaupt nicht einkriegen vor lauter Herrlichkeit!

P9220209
P9220210
P9220211

Annegret beschließt, dass wir vor dem Schlussanstieg zum Schnippenkopf eine erste richtige Rast einlegen. Die Truppe vom Heidelbeerkopf kann uns inzwischen überholen.

Wir lassen uns nieder.

P9220214
P9220215

Ich kann es immer noch nicht glauben, was ich alles sehe und bin der Genießer in Person!

Annegret hatte morgens beim Bäcker noch 3 Hörnchen gekauft, zum halben Preis vom Vortag, die sie mir anbietet. Aber obwohl mir das Wasser im Maul zusammenläuft, muss ich mich erst satt sehen.

P9220216
P9220217

Irgendwann müssen wir dann doch weiter. Inzwischen sind seit unserem Aufbruch 4 Stunden vergangen.

P9220219P9220220P9220223

Der Hammer ist dann der Schnippenkopfgipfel!

P9220230

Von hier aus kann man jetzt alle Berge sehen!

P9220226P9220229P9220231

Annegret stört mich mit einer blöden Frage. „Sag mal, Hannes, warum gibt es eigentlich hier keine Japaner, wo es doch so viel zu fotografieren gibt!?“
Weiß ich nicht. Ich weiß nichtmals, was Japaner sind.

Mich interessiert nur diese traumhafte Bergwelt.

So langsam müssen wir an den Abstieg denken. Schaut euch diese herrlichen Bilder an!

P9220236P9220235P9220238P9220239P9220237P9220240

Wir steigen mit großem Genuss über die Graspolster und ein steiles Waldstück ab.

P9220241P9220242P9220243P9220244P9220245P9220248

Auf ungefähr 1400 Meter kommen wir zum Rubihaus. Das ist eine Alpe für Hirten, die aber nicht für Besucher bewirtschaftet wird.

P9220250

„Ach so“, sagt Annegret, „das weißt du ja gar nicht: Also, die ganze Gipfelregion heute ist das Revier der Rinder gewesen, die zur Viehscheid nach Schöllang runtergekommen sind. Hier oben haben die ihren Sommer verbracht!“

An der Unterseite der Hütte ist eine ganz urige, alte Bank.

P9220252
P9220251

Genau richtig für unsere nächste Pause.
Annegret nimmt mir den Rucksack ab.

„O“, sagt sie, „dadrunter ist dein Fell ganz geplättet.“

P9220253

Dann gibt´s Futter und Gesöff.

P9220254kopie
P9220256

Jetzt steht mir doch glatt der Sinn nach einem Nickerchen im Schatten. Ich weiß auch schon, wo.
Unter der Bank ist es gut.

P9220259

Ich muss nur noch ein bisschen buddeln.
Hinter mir höre ich Annegret: „Die Mutter hängt mal eben de Wäsche auf!“

P9220260

So, hier kann ich´s aushalten!

P9220258

Bleiben können wir leider nicht, denn wir brauchen bestimmt noch 2 Stunden, meint Annegret.

Weiter geht´s, auch wenn wir schon müde sind.

P9220269P9220270P9220273P9220272P9220275P9220276P9220274

P9220279P9220278P9220280P9220281

Endlich sehen wir Reichenbach unter uns.

P9220283
P9220282

„Aber da steht nicht unser Auto, Hannes. Wir müssen noch bis Schöllang.“

O je.

P9220285

Bis ins Auto schaffe ich´s noch irgendwie,

P9220294

aber nicht mehr bis in unsere Wohnung.

P9220295

Ich bleibe einfach im Flur liegen.

So, jetzt wisst ihr, wovon ich so knatschkaputt bin. Das war eine 7-Stunden-Tour, die längste meines Lebens!

„Nur, was uns müde macht, hält uns jung!“, sagt Annegret.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.