Hannes von Sinnen

Montag, 7. Februar

„Hannes, du bist ja total von Sinnen!“
Annegret kriegt mich kaum gebändigt.
Ja, ich bin total von Sinnen! Und das ist herrlich!

Ich bin nämlich in Holland!

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Wisst ihr, wieso?

Annegret hat tagelang zu mir gesagt: „Hannes, wir haben immer noch Urlaub abzuarbeiten vom letzten Jahr. Wir fahren nochmal nach Holland. Nach Holland! Weißt du noch?“
Tut mir leid, ich weiß nix. Obwohl Annegret behauptet, ich wäre schon 3 x mit gewesen. Ich habe einfach keinerlei Vorstellung, was Holland ist.

Aber sehr neugierig bin ich doch, als wir losfahren.

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Was sehe ich? Autobahn.

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Und Laster.

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Und Autobahn.

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Und Laster.

Irgendwann penne ich hoffnungslos ein.
Nach ein paar Stunden versucht Annegret, mich zu wecken. „Hannes! Aufstehen! Hannes! Rausgucken! Die Zeelandbrücke!“

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Aber ich schaffe es nicht. Erst als Annegret ganz richtig parkt und aussteigt, komme ich zur Besinnung.

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Ach, hier sind wir! Das ist Holland! Und ob ich das weiß!

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Sofort kenne ich alles wieder. Mein Grevelingenmeer. Ich habe ja sogar schon von hier erzählt. Wenn ihr noch nicht alles in meinem Blog gelesen habt, müsst ihr unbedingt mal weit zurück gehen und Nachlese halten. 2006 habe ich von „Mal eben Holland“ berichtet. Und als ich das erste Mal hier war, hat Annegret ein ganz lustiges Gedicht über mich gemacht. Das passt heute noch mindestens genauso gut wie damals. Da war ich auch von Sinnen.

Und wenn ihr mal eben nachsehen wollt, wo wir jetzt sind, müsst ihr bei google maps eingeben: Zaete, Brouwershaven, Nederland. Da könnt ihr alles schön von oben betrachten. Noch besser aber ist es, hier zu sein.

Das fing allerdings mit einem solchen Riesenschreck an, dass ich fast das Weite gesucht hätte. Annegret schließt unser Appartement auf und sagt als Erstes: „Pfui Deibel, eine Raucherbude!“ Dann geht sie weiter durch, hinten zur Terrasse raus und ruft: „Hannes, komm mal schnell, wir haben einen Garten!“

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Ich schnell hinterher, als es hinter mir furchtbar knallt. Sofort versuche ich, irgendwo über den Zaun zu setzen und wegzukommen. Aber die Sträucher sind im Wege, so dass Annegret schneller ist und mich am Halsband zurückreißt. „Was fällt dir denn ein?“ fragt sie vollkommen verständnislos. Ich dachte, der furchtbare Knall wäre ein Schuss gewesen und wollte nichts wie weg hier.

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Aber Annegret beruhigt mich und sagt, dass vom Durchzug eine Türe geknallt hat.

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Ach so.

Jetzt wird erst einmal ausgeladen. Und nur das Allernötigste ausgepackt, denn das Wetter ist herrlich und wir wollen sofort raus. Unsere Standardrunde kenne ich noch, das ist der Deichweg nach Brouwershaven.

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Schon der erste Gang macht mich raderdoll. Ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, wie viele Tiere es hier gibt! Die regen mich samt und sonders auf.

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Unmengen und alle Sorten von Wasservögeln, sogar auf den Feldern.

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Das Schärfste aber, besonders für meine Nase, sind diese elenden Kanickel.

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Davon wimmelt der ganze Deich, beidseitig, und das ganze Gelände.

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Und überall muss ich noch meinen Senf dazugeben.

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Ich bin kaum dazu zu bringen, dass wir wieder zurückgehen, aber Annegret sagt, dass wir erst einmal auspacken und etwas essen müssen.

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O je, schon nach dem ersten Gang habe ich eine ordentliche Ladung Sand mit reingebracht. Annegret fegt ihn zusammen.

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Mit Einbruch der Dämmerung gehen wir nochmal raus.

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Das ist genau die Zeit, in der die ersten vorwitzigen Kaninchen schon aus den Höhlen kommen. Es ist nicht zum Aushalten! Annegret hat genug damit zu tun, mich festzuhalten. Und da sagt sie: „Hannes, du bist ja total von Sinnen!“
Ja, das kostet Nerven, ist nicht lustig, macht aber richtig Spaß, allerdings auch müde.

Deswegen hat Annegret mir freundlicherweise sogleich einen Sessel präpariert. Aber er passt nicht zu mir.

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Meine Beine sind mal wieder viel zu lang.
Also rolle ich mich zusammen.

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Aber es klemmt hinten und vorne und ich suche dann doch lieber mein Nerzbett auf.

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Beim Einduseln kriege ich irgendwie noch halbwegs zwei Meldungen von Annegret mit.
Die eine ist ihre persönliche Freude: „Der Leuchtturm scheint bis in unsre Wohnung!“

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Die andere gilt mir. „Hannes, damit du Bescheid weißt, – das Motto des Urlaubs ist:
Honden aan de Lijn!“

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Dienstag, 8. Februar

Das herrlischste Wetter kündigt sich an. Wir gehen gleich nach dem Aufstehen raus, noch vor dem Frühstück.

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Es ist noch gar nicht richtig hell draußen.

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Die ersten Fischkutter starten schon

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und die Sonne wühlt sich gerade hoch.

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Ich bin schon wieder voll in Aktion.

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Die Kanickeldüfte der Nacht hängen noch im Gras.

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Aber Annegret will erstmal zurück und frühstücken.

„O schau“, sagt sie, „hinten am Haus unsre Schatten!“

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Während des Frühstücks tuckert schon wieder ein Schiff am Gartenzaun vorbei.

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Dann warte ich drauf, dass wir endlich richtig rausgehen. Aber ich werde furchtbar enttäuscht. Annegret sind andere Sachen viel wichtiger. Die Terrasse ist ihr zu schmutzig! „Sieh hier, noch der ganze Winterdreck! Wenn ich schon dafür bezahle, will ich´s wenigstens schön haben!“ Und schon fängt sie an zu arbeiten.

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Okay, dann vertreibe ich mir die Zeit mit Vögel zählen.

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Kaum habe ich angefangen, höre ich hinter mir „K-k-k, k-k-k“.

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Manno, die Möwen beobachten mich! Man kriegt keine Ruhe.

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„So“, höre ich Annegret, „ich bin fertig. Jetzt geht´s einkaufen. Ich brauch erst mal Blumen für die Tische, sonst wird aus dem Urlaub nix!“ O, wie grässlich. Zum Glück gehen wir aber zu Fuß nach Brouwershaven. Und ich bin gleich wieder in meinem Element.

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Annegret schimpft über die Möwenschweine

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und mir kommt ein Hund in die Quere. Er ist aber total harmlos, ungefähr so wie ich.

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Dann sind wir in Brouwershaven. Das ist so schön hier!

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Annegret entdeckt immer merkwürdige Sachen. Sie zeigt mir ein Restaurant mit vielen Empfehlungen. Da war sie sogar früher schonmal drin.

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Aber, – die Tür klemmt!

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Reparieren Fehlanzeige! Lieber feste deuen! Da muss Annegret doch staunen und lachen.

Wieder zurück in unserer Wohnung ist jetzt alles so, wie sie sein sollte. Und es gibt lecker Essen.

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Danach braucht Annegret ein Nickerchen. Sie ist noch gar nicht fertig mit Schlafen, als sie von einem merkwürdigen Geräusch geweckt wird. Als sie auf der Bildfläche erscheint, sieht sie, was los ist, und ich werde angemotzt!

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„Sag mal, hier klettert ein wildfremder Mann mit Hochdruckreiniger an unserer Fassade rum und du sagst nichtmals ´Wuff`!“

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Als der dann die Leiter runtersteigt, stammelt sie nur noch: „Mon Dieu, c´est Gérard Dépardieu!

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Hannes, den habe ich vorletzte Woche noch im Kino gesehen! Aber vor zwei Jahren, als wir hier waren, war er auch hier, da habe ich sogar ganz schnell ein Bild gemacht, weil ich so verblüfft war. Komm, ich zeig´s dir.

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Nee, nee, so was aber auch!  Frisur, Figur, Umfang … haargenau so! Aber warum soll ein solch guter Schauspieler nicht auch mit Hochdruck Ferienhäuser abspritzen und Holländisch sprechen können!“

Danach geht´s wieder raus. Diesmal Richtung Scharendijke. Man kann auch hier herrlich über den Deich gehen. Ich wieder mit allen Sinnen von Sinnen:

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Ha, meine Nase hat mir einen Fasan vermeldet. O, habe ich den schön erschreckt! Mit Panikgeschrei fliegt er weg. Fasane sind ja sowas von schreckhaft. Das macht direkt Spaß.

Auf einem Treppenübergang muss ich mir mal eben einen Überblick verschaffen.

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Ich will jetzt runter und zu einem Bauernhof.

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Aber es ist kein Bauernhof, sondern ein Zwiebelhof!

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Mit Förderband werden die Zwiebels auf den Riesen-LKW geladen.

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Ganz viele sind aber noch auf dem Acker geblieben.

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Über uns geht schon wieder die Luftpost ab.

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Alles mit viel Geschrei. Die Vögel halten ja nichtmal beim Fliegen den Schnabel!

Auf dem Rückweg sehen wir noch ein paar Bekannte an der Böschung.

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Abends befreit mich Annegret von dem Klemmsessel.
Wie es sich gehört, bekomme ich ca. 54 Prozent vom Sofa.

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Aber ich stehe nochmal auf. Irgendwie bin noch zu lustig zum Schlafen. Ich will noch ein bisschen mit meinem Futterball spielen. Beim Hin- und Herkullern kommen die Häpperchen raus.

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Manchmal warte ich, ob der Ball von selber rollt. Tut er aber nicht.

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Also kralle ich ihn mir noch mal.

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Nach dem Ballspielen kommt noch „Körbchen suchen!“ Das mache ich ja so gerne! Annegret findet immer wieder andere Verstecke. Manchmal renne ich viel hin und her und suche hinter Sesseln und Türen. Wenn ich´s gefunden habe, bring ich´s ihr ganz schnell. Die Belohnung ist nämlich immer da drin.

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Aber jetzt wird wirklich geschlafen!

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Gute Nacht!

Mittwoch, 8. Februar

O, geht´s mir gut!

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Erst mal schnell in den Garten gehen und sehen, ob alles in Ordnung ist.

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Es hat tatsächlich gefroren. Die Sonne versucht es erstmal mit rosa Licht.

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„Komm“, sagt Annegret, „wir gehen mal schnell auf den Deich. Die Sonne stemmt sich gerade hoch.“

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Nach dem Frühstück gehen wir wieder raus, weil´s so schön ist, und am Nachmittag zur Nordsee. Die will ja auch mal wieder gesehen werden.

Auf dem Weg zu den Dünen bringen mich die Kanickel schon wieder in Rage. Hier sitzen die sogar am Tage draußen, flitzen aber sofort in ihre Höhlen.

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„Reg´ dich ab“, meint Annegret, „und konzentrier´ dich mal auf die schöne Landschaft! Komm, wir steigen hier in die Dünen.“

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Ich laufe ein paar Schritte vor, komme aber ganz schnell wieder zurück. Ich habe Schiss. Irgendetwas hängt da im Strauch. Annegret markiert euch die Stelle mit dem Kreis.

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„Los, Hannes, weiter! Es wird dir schon nicht ans Leben gehen!“

Tatsächlich. Irgendeiner hat hier nur einen Plüschteddy festgemacht.

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Dann sind wir am großen Wasser.

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Was für eine Enttäuschung! Möwenebbe!

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Ich hatte mit Möwenflut gerechnet!

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Nur ein einziges Exemplar, so weit das Auge reicht! Was soll ich davon halten?

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Ich würde jetzt gerne wieder in die Dünen gehen, aber Annegret beharrt auf Strand.

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Sie will auf Spurensuche gehen!
„Sieh hier! Ein x-beiniger Plattfußindianer!

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Und ein o-beiniger Zweibeiner!

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Und jemand, der die Füße nachzieht.

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Selbst Duck was here!

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Hier war auf jeden Fall eine Besprechung.

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Und hier: Der Hanneshund!“

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Als wir wieder zu Hause sind, bin ich doch etwas müde.

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Am Abend liest Annegret mir Möwengedichte vor.

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„Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus und sind mit Schrot zu schießen …“
und:
„Was ist schon ein Kampf mit Löwen gegen Hannes´ Jagd auf Möwen!

Hollands Küste hat Millionen, die nicht seine Nerven schonen…“

Donnerstag, 10. Februar

Leider ist Regen angesagt. Direkt mal für morgen mit. Aber es hat noch nicht angefangen. Nur ziemlich trüb ist es.

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Ich mache erstmal ´ne Morgenkontrolle.

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Der Schwan hat sich wohl verirrt.

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O! Ich glaube, ich sehe nicht recht!  

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Wieso läuft da ein Golden Retriever rum? Da ist Hundeverbot! 

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Den Vormittag verplempern wir ein bisschen. Leider.

Als wir am Nachmittag richtig raus wollen, regnet´s ziemlich. Natürlich werden wir nass. Und das nicht zu knapp.
Da muss ich erstmal eine Trocken- und Ruhephase einlegen.

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Als ich wieder munter bin, ist es schon dunkel.

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Und es regnet immer noch.

„Sag mal, Hannes, wie wär´s denn, wenn du bei dem schlechten Wetter mal mit deinem Blog weitermachst? Ich helfe dir.“

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Das lasse ich mir nicht zweimal sagen!  Annegret hat den Läppi schon aufgeklappt.
Los geht´s!

Wenn ich euch langweile, müsst ihr´s mir schreiben.
Es gibt bestimmt noch mehr zu erzählen, denn wir bleiben noch bis Montag.

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