1 Stunde in der Hölle

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Einmal und nie wieder!!!

Nein nein nein, ich will nicht mehr daran denken!

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Dabei hatte ich doch vorgestern noch Halleluja gesungen! Es muss das leckere Essen gewesen sein, das ich jetzt wieder bekomme und das mich zum Wildern angestachelt hat. Aber das ist mir zum bösen Fallstrick geworden!

Eigentlich war es eine ganz normale Nachmittagsrunde, erst unten am Rhein, dann durch die Schrebergärten und die Felder zurück. Annegret hatte mich lose laufen lassen, und da zwickte es mich ein bisschen, über den Acker zu trotten. Dabei driftete ich ziemlich ab.
Annegret ist auf dem Feldweg weitergegangen.

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Wir waren bestimmt oft 100 Meter weit oder noch mehr auseinander, konnten uns aber immer sehen. Die Strecke war über einen halben Kilometer lang.

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Als wir in die Nähe der Häuser kamen, also fast wieder nach Hause, wollte ich durch den hohen, pitschnassen Klee zurück.
Oder eigentlich doch nicht.

Jedenfalls rief Annegret inzwischen ziemlich energisch, ich solle jetzt kommen.

Aber ich habe nur so getan, als würde ich mir Mühe geben. Der Klee war total hoch, höher als ich, und deswegen bin ich hier und da nur mal kurz aufgetaucht.

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Und da nahm das Schicksal seinen Lauf!
Auf einmal hörte ich eine ganz andere Stimme, viel, viel lauter als Annegrets.
Das war das Tier in mir! Es befahl mir, zurückzulaufen und im Dickicht nach den Kanickeln zu suchen, die ich als Junge mal ausfindig gemacht hatte. Und schon war ich auf dem Rückzug.

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Der Mist war nur, dass das Gebüsch komplett mit meterhohen Brennnesseln, Dornenranken und Gestrüpps dicht gemacht ist.

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So musste ich weit zurücklaufen.

Ich habe noch gehört, dass Annegret mir nachgesetzt ist. Auch durch den pitschenassen Klee und immer am Gebüschrand entlang,

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nachher am Ackerrand, wo sie im nassen Boden fast mit den Schuhen steckengeblieben wäre.

Aber sie hat außer ein paar Pfotenabdrücken nichts mehr von mir gesehen und hatte keine Ahnung, wie weit weg ich wohl gelaufen bin.
Inzwischen hatte ich einen Eingang in den Urwald gefunden. Und mir war absolut total egal, was Annegret machte oder dachte. Mich konnte sie so schnell nicht mehr finden.

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Und sie ist tatsächlich noch ziemlich weit zurückgegangen und dann den ganzen Feldweg erneut abmarschiert, immer und überall in alle Richtungen geguckt, ob ich irgendwo auftauche. Dann ist sie vollkommen ratlos weiter bis nach Hause gegangen, weil sie Sorge hatte, dass ich vielleicht schon vor der Haustüre sitze, aber nicht klingeln kann. Da war ich aber nicht. Deswegen ist sie dieses Mal oben an der B 9 entlang wieder alles zurückgegangen und hat immerfort das ganze Revier mit den Augen abgesucht. Das hat sie mir alles nachher erzählt.

Aber sie hatte keine Ahnung, dass ich in eine Falle geraten und am Ende meines Lebens war! Das war die Hölle! Ich hatte solch fürchterliche Angst und konnte überhaupt kein klitzekleines Meterchen mehr weg. Ich habe nur noch abwechselnd gezittert und gelauscht. Keine Annegret mehr weit und breit. Auch kein Rufen.

Auf einmal höre ich: „Ü üüiii!“ Ganz furchtbar weit weg, aber ganz eindeutig. So pfeift nur Annegret, wenn sie mich meint. 2 Mal „ü“, und der zweite Ton geht dann hoch.
Jetzt nehme ich meine ganze Angstkraft zusammen und lasse ein paar verzweifelte Beller los. Der Mist ist ja, dass ich eigentlich nie belle und Annegret meine Stimme gar nicht richtig kennt. Aber sie weiß, dass ich nur einzelne Töne bellen kann. Die geraten mir leider nicht immer gleich, weil ich ja keine Übung habe. Vielleicht hat sie mich aber doch gehört. Ich warte und zittere um die Wette. Es vergeht wieder so schrecklich viel Zeit. Aber auf einmal ist das „ü üi“ wieder da und ganz nah. Ich bin aber so dermaßen am Ende, dass ich nicht mehr bellen kann. Nur noch flennen. Obwohl doch jetzt alles gut wird, krieg ich nur die jämmerlichsten Heul- und Quietschtönchen raus.
Da höre ich Annegrets Stimme: „Hannes, ich komme. Warte. Ich bin schon bald bei dir.“
Aber wie soll sie denn zu mir kommen? Es ist ja alles viel zu doll zugewachsen!

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Auf einmal konnte ich ein bisschen von ihr sehen. Und dann hat sie mich auch entdeckt. „Ich kann deine hellen Beine sehen, Hannes. Aber es ist unmöglich, zu dir zu kommen. Hängst du denn fest?“ Was für eine Frage! Schon muss ich wieder flennen.
Sie läuft auf und ab, aber es gibt keine Chance, zu mir durchzukommen.

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Da nimmt sie ihr Handy aus der Hosentasche und ruft unseren Nachbarfreund Michael in der Nähe an. „Hallo Michael, hier Annegret. Dieses ist ein Notruf. Hannes ist im Dickicht gefangen. Kannst du mit einer Machete oder einem Buschmesser oder so was kommen?“

Zu mir sagt sie: „Hannes, Michael kommt gleich. Der hilft uns.“ Aber es dauert mir viel zu lange. Ich wimmere pausenlos. Annegret fängt schonmal an, stachelige Schlehenzweige wegzubrechen, aber die Brombeerranken und Brennnesseln sind das Schlimmste. Endlich kommt Michael und bringt zur Verstärkung noch eine andere Hundemutter mit. Beide wühlen sich durch den klatschnassen Klee.
„Wo isser denn?“ fragt Michael. Ich heule gleich wieder los. „Ah, ich seh ihn!“

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Und dann arbeiten Michael und Annegret um die Wette. Jeder will mich zuerst retten. Annegret schneidet ein Loch und Michael schlägt eine Schneise.

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Und dann sind beide ganz nah und ich auch.
„Da sieh dir das an“, sagt Annegret, „der Hannes hängt in einer Lianenschlinge!“

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Ja, da war ich irgendwie reingeraten, habe aber mit meinem ganzen Ziehen und Drehen alles nur noch schlimmer gemacht.

Michael hat mich dann mit einem Scherenschnitt befreit aus der Hölle.

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Sofort bin ich ins Freie gesprungen. Und hab kein Tönchen mehr geheult.

Am Abend hat Annegret sich mit auf mein Bett gesetzt. „Mensch Hannes, ich bin ja so froh, dass du gebellt hast! Wie hätte ich dich denn jemals wiederfinden sollen?“

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Nachdem ich das bedacht habe, habe ich ihr ganz schnell übers Gesicht geleckt.

Ich war ja so froh, dass sie gepfiffen hat. Wie hätte ich denn sonst bellen sollen?

3 Gedanken zu „1 Stunde in der Hölle

  1. Rose

    Mir wird im Nachhinein noch elend. Arme Annegret und armer Hannes. Hoffentlich ist das eine Lehre , lieber Hannes. Wenn wir Dich nicht mehr hätten !

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