Ich bin ja so bescheuert!

Das sagt Annegret jedenfalls, und die muss es ja wissen!

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Also, es gab gestern und heute einen Zwischenfall, eigentlich sogar eine Krise.
Im Moment ist es ja so fürchterlich heiß draußen. Eigentlich kann man nur drinnen hocken, Rollläden runter, nicht bewegen, viel saufen. Das ist Annegrets Methode. Im Schatten ist es nämlich 38 Grad.

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Jetzt bin ich ja ein gebürtiger Grieche. Ich vertrag´ zwischendurch mal ganz gut ´n bisschen Hitze. Also lege ich mich auf die Terrasse in die pralle Sonne.

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Als Annegret mich sieht, sagt sie: „Hannes, bist du eigentlich total bescheuert? Das ist doch viel zu heiß hier!“ Und gleich holt sie das Thermometer und einen Sonnenhut für mich.

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Das Thermometer klettert direkt bis zum Anschlag
und den Hut finde ich gut.

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Am Abend beschließe ich, draußen zu übernachten. Annegret findet das ganz okay. Und ich kriege sogar richtig was zu tun: Katzen verjagen! Des nachts um 1 Uhr und nochmal um Viertel vor drei, sogar mit Doppelbeller.

Ach so: Kennt ihr eigentlich meinen Hitzebrief von 2006? Den könnt ihr euch ruhig mal ansehen.

Hitzebrief

Besonders der Witz passt immer noch gut. Aber das erzähle ich euch jetzt ausführlich.

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Inzwischen ist Sonntag, und es ist heute nicht nur heiß, sondern auch schwül! 35 Grad im Schatten. Bei solchen Temperaturen gehen wir nicht auf die freie Feldflur. „Dann schmilze ich ja“, sagt Annegret und fährt mit mir 1 Kilometerchen bis zu den letzten Häusern, denn hier fängt direkt der Wald an und wir sind schwuppdiwupp im Schatten. Gemächlich gehen wir bergan. Bloß nicht zu schnell, dazu ist es viel zu heiß und schwül. Annegret lässt mich zwischendurch mal kurz lose laufen, wo alles zwischen den Weiden überschaubar ist. Dann möchte ich abbiegen in einen kleinen zugewachsenen Pfad, den wir lange nicht gegangen sind. Zack, wieder an die Leine, und dann das Pfädchen im Wald entlang.

Als wir wieder auf dem breiten Weg landen, macht Annegret mich wieder los. Sie meint nämlich, bei der Hitze komme ich auf keine dollen Gedanken. Wär´ ich auch nicht, wenn …
wenn nicht auf einmal nur ca. 30 Meter vor uns ein Fuchs unseren Weg gekreuzt hätte.

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Wir haben ihn beide gleichzeitig gesehen. Ich habe nur den Bruchteil einer Sekunde meine Muskeln angespannt gleich einem Flitzebogen, und dann schoss ich wie ein Pfeil los! Ich glaube, erst da hat der Fuchs mich bemerkt.
Die Einzige, die bellte, war Annegret, aber es war schon zu spät. Ich hatte keine Ohren mehr, nur noch meine Nase und meine rasenden Beine! Und immer dem Fuchs hinterher, querwaldein, bei 35 Grad im Schatten.

Wie lange ich rumgerast bin, weiß ich nicht mehr. Ich habe auch nicht mehr an Annegret gedacht. Die hat nur aufgestöhnt und auf die Uhr gesehen. Und immer wieder gerufen und gepfiffen. Als ihr auf einmal einfiel, dass sie – wegen der Hitze – gar nicht ihr Handy mitgenommen hatte, ist sie furchtbar nervös geworden und immer auf und ab getigert. Sie hatte ja keine Ahnung, wann und wo ich wieder auftauchen würde. Wenn mich aber jemand mit meinem Ausweis mit unserer Handynummer finden würde, müsste sie erreichbar sein. Nach einer halben Stunde Warterei ist sie – auch bei 35 Grad – zum Auto zurückgerannt, 15 Minuten, hat dann Zuhause das Handy gerafft und ist wieder zurückgedüst.

Ich bin in der Zwischenzeit nach wie vor kaum zurechnungsfähig, habe auch mal die Fährte verloren und gerate an einer Senke total in die Matsche. Irgendwann muss ich aufgeben. Jetzt bleibt mir nur noch der Heimweg. Und das bei 35 Grad. Ich hechle, als müsste ich gleich explodieren, die Zunge schleudert um mich rum. Ich kann fast nicht mehr. Als ich bei den ersten Häusern am Ortsrand ankomme und auf dem Bürgersteig laufe, höre ich auf einmal aus einem fahrenden Auto Annegrets Stimme, die aus dem Fenster „Hannes!“ ruft. Sie fährt bis zu mir ran, bleibt stehen, steigt aus, macht den Kofferraum auf und sagt nur kurz: „Einsteigen!“ Mit meinen stinkenden Schlammbeinen springe ich rein und nach ein paar Minuten sind wir Zuhause. Mein ganzer Körper ist in Aufruhr, so sehr habe ich mich verausgabt!
Und ich bekomme gesagt, wie bescheuert ich bin.

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Annegret holt einen Eimer Wasser, um mir die Schlammstiefel aus dem Fell zu waschen. Erst beide Vorderbeine, dann die Hinterbeine.

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Das ergibt eine ziemliche Brühe.

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Danach versuche ich, mich auszuruhen, oben am Häuschen auf meiner kleinen Plattform.

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Aber nach einer halben Stunde kann ich immer noch nicht das Hecheln abstellen.

Annegret kommt mit der Gießkanne und begießt mich zum Abkühlen mal ordentlich.

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Inzwischen ist es noch etwas wärmer geworden.

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Dann kriege ich sogar meinen Wassernapf gebracht.

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Ich glaube, Annegret ist erleichtert, dass sie mich wieder hat.

„Weißt du, Hannes“, sagt sie, „das war nur eine Viertelsekunde, als ich parken wollte und gerade dein Hinterteil entschwinden sah. Nur eine Sekunde später – und ich wäre wieder in den Wald gerannt und hätte dort stundenlang auf dich gewartet.“

Dann geht sie wieder rein, um Tour de France zu sehen. Irgendwann schleiche ich mich auch rein und an ihr vorbei.

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Und dann gucke ich auch noch ein bisschen mit.

OLYMPUS DIGITAL CAMERANach der Tour de Fuchs
jetzt die Tour de France.

Unglaublicherweise findet Annegret immer noch Schmutz an meinen Pfoten.

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Und noch einmal wird ein Eimer gefüllt. Das finde ich jetzt aber übertrieben.

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Am Abend fragt Annegret mich: „Ist dir eigentlich klar, wie sehr du mich verzweifelst???“

Aber was soll ich denn machen?

Ich bin doch ein Tier!

Ein Gedanke zu „Ich bin ja so bescheuert!

  1. Hundepatenonkel

    Was sollst du denn machen, du bist ein Tier! Und zwar ein ganz liebenswertes, muss ich schon sagen. Aber immer so glimpflich geht es nicht ab, lieber Hannes!
    Und Speck wirst du so nicht ansetzen, dank der vielen Bewegung. Und das in dem „hohen“ Alter!
    Mit Gruß in den kleinen Hannes-Garten!

    Antworten

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