Ein Unglück kommt selten allein!

Ich war noch gar nicht wieder gesund geschrieben, da brach schon das nächste Unglück über uns herein. Diesmal ist eindeutig Annegret betroffen, aber weil wir ja ganz fest zusammengehören, gewissermaßen ein System sind, gehört diese Gruselgeschichte auch hierhin.
Also, Annegret hat schon seit dem Frühjahr davon gesprochen, dass sie eine neue Küche haben möchte. Unsere jetzige haben wir nämlich vom Vorbesitzer unserer Wohnung übernommen und sie ist schon sehr ziemlich alt mit vielem, woran Annegret sich nicht gewöhnen kann, z.B. Steckdosen direkt über den Herdplatten.

Oder dieses blöde Blech, das verdecken soll, dass die Bodenfliesen an der Wand nicht hoch genug gehen.
Oder diese Gammelprofile und Fugen.

Oder dieses Klemmbrett und die Styroporleiste.

Auch der Backofen kann nicht mehr backen, sondern nur noch grillen.

Und an all dem kann man nix richtig verbessern.
Deswegen meint Annegret: Eine neue Küche muss sein! Schön, solide, gut.
Da habe ich natürlich nichts gegen, solange alles weiterhin lecker bleibt, was hier zubereitet wird.
Ihre Planung ist perfekt:
Am Sonntagabend soll die ganze Küche leergeräumt werden,
am Montagmittag kommen die Küchendemonteure, um alles abzubauen und mitzunehmen,
am Dienstag soll der Elektriker kommen für neue Steckdosen,
am Mittwoch will Annegret überall anstreichen, wo es nötig ist,
am Donnerstag kommt die neue Küche.
Also los!
Küchenschränke ausräumen und alles breitflächig verteilen.

Und – schwuppdiwupp – sind alle Schränke leer.
Unsere netten Nachbarmänner bugsieren den großen Kühl-/Gefrierschrank auf die Terrasse. Der wird ja erstmal noch gebraucht und danach abgegeben.
Und Annegret hat sich für die nächsten Tage eine schöne Campingküche auf der Terrasse eingerichtet. „Hannes“, sagt sie, „Camping kann ich noch von früher!“
Und sie frohlockt „Juppheidi!“, weil nämlich das Wetter auch richtiges Campingwetter ist.

Am Montagmittag kommen die Möbeldemonteure.
Ich soll mal möglichst wenig stören und werde auf die Terrasse geschickt.
Annegret guckt immer zwischendurch, wie die beiden Männer arbeiten.

Die sind total flott, nur was hinter den Schränken zum Vorschein kommt, ist ziemlich igitt!
Und dann, bei den letzten Schränken, kommt die Katastrophe zum Vorschein!
Schwarzer, hochgiftiger Schimmel in dicker Schicht.
Die schwarze Pest!
Die Monteure verlassen fluchtartig den Tatort.
„O Hannes,“ jault Annegret auf, „sowas Grauenhaftes habe ich ja noch nie gesehen!“
Schock!
Albtraum!
Trauma!
Irgendein Fachmann muss her. Am Besten ein Malermeister.
Aber erst will Annegret schonmal irgendwo anfangen: Fliesen einweichen, schrubben, –
alles mit Brechreiz.

Ein Quadratmeter Fliesen ergibt 3 Eimer Jauche.
Der Maler – zum Glück ein Schimmelexperte – kommt um halb fünf und stellt fest: „Das ist Kategorie 3, d.h. Wohnung sperren, Menschen und Hunde raus!“
Annegret ist vollkommen neben der Spur, – ich verstehe gar nix.
Sie fragt, was denn überhaupt gemacht werden kann, denn die neue Küche kommt ja schon am Donnerstag.
Die Maßnahme, die nötig ist, wird sehr teuer. Aber wir haben keine andere Wahl. Wir wollen ja noch ein bisschen leben. Der Malermeister will morgen Nachmittag  wiederkommen.
Annegret ruft Freunde an und bei denen holen wir noch ein Mittel, mit dem sie die Sporen einschmieren und binden will. Ich verstehe gar nix, aber Annegret sieht auf einmal sehr komisch aus.
Am Abend nimmt sie sich ´ne Flasche Wein, die sie 2 Tage vorher geschenkt bekommen hatte, und röchelt: „Jetzt hilft nur noch ein Urschrei!“
Am Dienstag früh kommt der Elektriker.

Er sieht auch, dass hier alles ganz grausig ist, macht aber trotzdem seine Arbeit.

Am frühen Mittag ist er fertig. Weil er so viele Leitungen legen muss, wird die Küche nochmal ganz anders dreckig.
Am Nachmittag kommt der Malermeister wieder. Ui, jetzt geht´s also richtig los.

Ich darf nur draußen zugucken.

Er trennt erstmal die Küche ab

und dann verkleidet er sich

und verschwindet hinter der Plastikwand, um alles abzusaugen.
Danach donnert er den ganzen Putz von der Wand. Und dann, am Abend, wird die Wohnung erst recht gesperrt, weil alle Zimmer genebelt werden, damit die Sporen nicht mehr keimen können. Auch das versteh ich alles überhaupt nicht. Nur, dass Annegret bis zur Dunkelheit mit mir rausgeht, finde ich gut. „Ja, Hannes, wir dürfen ja gar nicht rein!“

Am Mittwoch kommt der Maler am frühen Nachmittag wieder.

Annegret ist langsam sehr nervös, denn sie muss ja noch viel anstreichen. Aber erstmal muss ein dicker Brei auf die Wand,
und darauf kommen neue Spezialplatten,
die werden dann verspachtelt und müssen trocknen.

Und dann kann Annegret schonmal mit Muschelkalkfarbe streichen. Davon versteh ich aber nix. Am Abend kommt der Elektriker wieder, um alle Steckdosen einzusetzen.

Und danach kann Annegret weiter anstreichen. Es ist schon ziemlich spät.

Deswegen ist sie auch erst um halb 11 fertig. „Nix gegen meine Nerven,“ sagt sie, „die sind noch viel, viel fertiger!“ Das verstehe ich zwar auch nicht, aber ich merke, das Annegret überhaupt kein bisschen mehr lustig ist. „Hannes, das ist alles zu viel für mich. Erst deine Katastrophe und jetzt diese!“

Am nächsten Morgen gibt´s viel Besuch: Ein großer LKW

und 3 Männer

und ganz viele Schränke kommen.

Ich verkrümele mich in den Garten.
Und dann – nach 4 Stunden – sind die Männer fertig.
Und die Küche auch.
Also, ganz schön schön.
Mir gefällt sie jedenfalls.
Aber Annegret kommt noch nicht richtig in Laune. „Das war alles viel zu schlimm, Hannes!“
Am Freitag bekommt unser alter Kühlschrank (acht) Beine,

 

und danach kann Annegret allmählich wieder atmen und schlafen und lachen.

Na? War das katastrophal genug?

 

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