Ich mag Uli nicht

Annegret hat einen neuen Freund: Uli!
Ich mag ihn nicht, weil ich seinetwegen manchmal auf Platz zwei komme.
Und weil er mich piesackt!
Die beiden kennen sich schon seit letztem Jahr. Zwischendurch dachte ich, er wäre wieder weg. Pustekuchen! Er hat sich über Winter nur „eingekellert“, wie Annegret sagt.

Uli ist nämlich ein Igel! Könnt ihr ihn erkennen? Annegret war über sein Auftauchen genauso überrascht wie begeistert, und nachdem er ein paar Mal gekommen ist, hat sie ihn einfach Uli genannt.
Und dann hat sie ausprobiert, was er gerne mag. Ihr glaubt es nicht: Nusskuchen!
Sowas würde ich ja niemals kriegen! Deswegen habe ich auch ein paar Mal versucht, ob ich es schaffe, vor Uli den Kuchen zu stibitzen. Aber Annegret passt übel auf.  Wenn sie abends noch draußen auf der Terrasse gesessen und gelesen hat, hörte sie ihn schon kommen, wenn er mit seinen Stacheln unter der Holzwand herschrabbte. Allmählich hat sie Uli immer ein bisschen weiter auf unsere Terrasse gelockt.
Wenn er sich den Bauch vollgeschlagen hat, trollt er sich. Solange muss ich in der Küche bleiben.

Ich kann ihn aber trotzdem riechen! Und weil Annegret ihn so gern hat, kann ich ihn nicht riechen! Einmal habe ich ihn im Garten getroffen und angestupst. So eine Gemeinheit! Er hat furchtbare Stacheln und mich damit gepiekst.

Nach unserem Herbsturlaub im letzten Jahr hatte Uli uns nicht vergessen und ist wieder gekommen.
Und wisst ihr, was Annegret da gemacht hat? Frechheit! Sie hat die Häppchen für ihn in meinen Napf getan. Das hat Uli überhaupt nicht gestört. Aber mich!

Auch die Amseln fressen aus meinem Napf. Wenn Annegret morgens in der Küche Licht macht, klopfen sie mit dem Schnabel in den Napf, – tack, tack, tack. Das soll heißen: Frühstück bitte!

Ehrlich, bei uns geht es zu wie bei Franz von Assisi.

Im November ist Uli dann verschwunden.
Ich habe ihn auch total vergessen. Aber Annegret nicht. „Ob denn unser Uli nicht mal wieder kommt? Ich würde mich sooo freuen!“, sagt sie im Frühjahr.

Ein paar Mal hat sie was in meinen Napf getan, Biskuitröllchen(!), aber die habe ich dann morgens geknabbert.

Anfang Juni passiert Folgendes: Ich werde morgens im Regen pitschenass, so dass Annegret mich abrubbeln muss. Das nasse Frotteetuch hängt sie auf der Terrasse über einen Hocker. Abends liegt das Tuch auf dem Boden. Annegret will es aufheben, – da ist es ganz schwer! Uli ist da drin und hat sich eingewickelt! Sie packt ihn ganz schnell aus und holt noch flott die Kamera.
Wahrscheinlich hat er das Tuch im Vorbeilaufen mit seinen Stacheln  runtergezogen und sich damit selbst gefangen. Da wär er nie und nimmer alleine wieder rausgekommen.
Ab jetzt gibt´s wieder jeden Abend was für Uli in den Napf.
Zu meinem Ärger!

Im Sommer ist er wieder viele Wochen weg. Annegret hat Sorge, dass ihm was passiert ist. Aber im Internet liest sie, dass Igel im Sommer selbst genug zu fressen finden.
Also wartet sie. Und ich bin zwischendurch wieder die Nr. 1!
Bis im September Uli wieder auftaucht. Annegret ist so froh, dass sie ihm am nächsten Tag Nussplätzchen backt.

Uli-Plätzchen. Mit ganz wenig Zucker.
Da kann man doch nur die Krise kriegen!
Aber passt auf: Es kommt noch schlimmer! Weil das Wetter immer so schlecht ist, sitzt Annegret abends nicht auf der Terrasse. Aber ständig sieht sie nach, ob Uli eingetroffen ist. „Wir müssen uns näher  kommen!“ sagt sie. „Und ich muss ihn für den Winter schön fett mästen!“
Sie hat noch andere Backwaren für ihn und Träubchen.
Ich werde wie immer zurückgedrängt.
Ich kann euch gar nicht sagen, wie mir das stinkt!
Aber passt nochmal auf, es kommt nämlich noch dicker!
Annegret möchte, dass Uli seine Scheu verliert. Er hat nämlich Herzklopfen bis in die Stachelspitzen, wenn sie so nahe an ihn rankommt und dann auch noch Licht anmacht und rumblitzt. Er ist so verschrocken, dass er in meinem Napf hockt wie ein Muffin im Förmchen.
Annegret hockt sich dazu, redet mit ihm und hält ihm was Leckeres hin.
Und tatsächlich streckt er sein Schnäuzchen raus.
„Hannes,“ sagt sie drinnen zu mir, „ich werde das schaffen mit meinem Uli! Für heute lass ich ihn aber in Ruhe.“

Am nächsten Abend geht´s weiter. Ich wieder eingesperrt, Annegret mit Uli alleine draußen. Hören kann ich zwar nichts, weil ich inzwischen so schwerhörig bin, aber ich ahne schon, was die beiden draußen machen.
Zwar nicht Händchen halten, aber bestimmt Plätzchen halten. 
Siehste!
Kaum ist Annegret wieder drinnen, jubelt sie: „Hannes, es hat geklappt! Ich habe Uli ein Plätzchen hingehalten und er hat von der anderen Seite geknabbert! Der gute Uli!“

Ich finde ihn keinen guten Uli und ich meine, er ist längst fett genug für den Winter.
Tschüss Uli, ich kann auch ohne dich!

Ein Gedanke zu „Ich mag Uli nicht

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