Frühlingsherbst

Meine Güte, bin ich inzwischen alt! Und das ist nicht immer lustig!
Meine Tagesform wechselt sehr. Manchmal weiß ich einfach nicht, wie ich mich mit meinen alten Knochen und Gelenken hinlegen oder wie ich wieder aufstehen soll. Alles tut mir weh.
Es kann aber auch sein, dass ich auf einmal wieder einen Rappel kriege und springe oder renne.

Von meinem „Gutgehen“ will ich euch ein bisschen erzählen. Annegret hatte mir mal wieder einen Physiotherapie-Termin gemacht. Das kommt so alle vier Wochen dran und tut mir sehr gut. 1-2 Tage nach so einer Behandlung bin ich wieder geschmeidig. Und das passt gut zu diesem herrlichen Herbst mit seinen Frühlingstemperaturen.
„Ob du noch ein bisschen wandern kannst?“ hat Annegret mich gefragt. „Wir könnten´s ja mal probieren. Ich such mal was raus, wo wir noch nie waren.“
Und dann geht´s in Siebengebirge.

Wir schippern mit der Fähre über den Rhein, fahren ein Stück in die Berge und los geht´s! Logebachtal und sonst noch so allerlei.
Zum Schluss kommen wir zu einer Kapelle. Endlich nochmal ein Kirchlein! Annegret hat mich ja lange „KKK“ genannt, „KirchenKöterKadur“, aber weil wir nicht mehr arbeiten gehen, komme ich auch so gut wie in keine Kirche mehr.
Jetzt will ich mal wieder!

Muss ich etwa hintenrum?

Nein, Annegret macht mir auf. Einmal bis vorne und wieder zurück.

So hab´ich´s gern!
Als wir wieder am Auto sind, sind 2 Stunden vergangen!
„Zwei Stunden!!!“ meint Annegret, „Hannes, wie toll, dass du das geschafft hast! Wenn du keinen Schaden nimmst, geht´s morgen wieder los!“

Weil´s mir am anderen Tag wunderbar geht und es wieder so lecker warm ist, starten wir gleich aufs Neue. Nochmal Siebengebirge.

Wieder mit der Fähre rüber, einer anderen aber, und dann kommt die große Ölbergrunde! Annegret meint, das könnte wieder eine 2-Stunden-Runde werden. Wird es auch.
Aber auch die schaffe ich, mit frischem Quellwasser zwischendurch

und einer Mega-Aussicht von oben.

Uns sind aber viel zu viel Menschen hier. Deswegen gehen wir schnell im Wald zurück bis zu unserem Auto. Natürlich bin ich danach müde und kaputt. Na und?

Aber irgendwie bin ich im Moment nicht klein zu kriegen! Dieser Frühlingsherbst stachelt uns richtig an. Und Annegret sucht wieder was raus. Ein paar Tage später geht´s Richtung Ahr, zum Scheidskopf.

Wir kommen an einer Straußenfarm vorbei.

Ich glaube, da waren wir vor vielen Jahren schonmal.
Und weiter geht´s in die weite Welt.

Diesmal hat Annegret sogar ein kleines Picknick im Rucksack.

Die Pause machen wir im Schatten, weil es sehr warm ist.
Aber auch diese Wanderung schaffe ich. Es ist so ´ne Mischung zwischen Pfad

und Paradies.
Eine Woche später geht´s wieder los. „Hannes, du warst in deinem ganzen langen Leben noch niemals auf dem Drachenfels! Das liegt an mir, aber das wird sich heute ändern! In das Auto, fertig, los!“
Übrigens hat Annegret mal im Internet nach Hundealterumrechnungstabellen gesucht. Demnach bin ich jetzt um die hundert Jahre alt und damit an meiner Menschenoma vorbeigezogen. Die ist nämlich gerade erst 96 geworden.
Aber jetzt auf den Drachenfels! Wir machen erst einen langen Anstieg von Königswinter durch den Wald bis zum Milchhäuschen.
Das kenne ich!

Hier war ich schonmal mit meiner Patenfamilie ohne Annegret.

Von hier geht´s im Bogen weiter durch den Wald, bis wir an die Drachenfelsbahn kommen.

Die wird gerne von Faulpelzen und Weicheiern genommen. Aber dazu gehören wir nicht! Mit unseren vereinten 6 Beinen schaffen wir es bis oben hin.
Boah, da bleibt mir aber die Spucke weg!

Sowas von Aussicht!

Da kann einem ja schwindelig werden.
Allerdings auch von den Menschenmengen, die an einem stinknormalen Wochentag hier sind.
Zurück und bergab geht´s zwar etwas leichter, aber unsre gesamte Tour ging über 2 Stunden, und alles ohne Pause. Da bin ich doch ziemlich groggy.
Deswegen gibt´s auch mal ein paar Tage Pause.
Bis Annegret wieder einen Vorschlag macht, weil ich immer noch in Form bin. Wir waren lange nicht bei Rheinbach an der Tomburg.

Da machen wir die letzte Wanderung für diesen Herbst.

Von hier aus kann man das Siebengebirge von hinten sehen!

Und ich vertiefe mich in den Anblick von diesem elend tiefen Burgverlies.
So, das waren meine Wandergeschichten im Frühlingsherbst.

Jetzt ist schon November. Leider geht´s mir im Moment wieder schlecht. Mein Hinterteil tut mir weh und die Beine sind wieder steif.
Aber meine Ohren…
die können noch fliegen!

2 thoughts on “Frühlingsherbst

  1. Angelika Brandt

    ist ja unglaublich, was Du mit Deinen 100 Jahren (16) noch schaffst!!! A propos Altersumrechnungstabelle. Du weißt sicherlich, daß große Hunde schneller alt werden, aber du hast das sicherlich miteinkalkuliert. Jedenfalls 16 Jahre bei deiner Größe ist schon überdurchschnittlich. Das liegt sicherlich auch am einfühlsamen Umgang deines Frauchens mit dir, die dir immer Alles Wichtige hat zukommen lassen: Training, gesunde Ernährung, medizinische Versorgung, reichhaltige Erfahrungen und liebevolle Zuwendung. Nicht zuletzt Humor! Weiter so!

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  2. J. Köster

    Hallo, Hannes!
    Viele schöne Bilder, die Annegret da von euren Ausflügen gesammelt hat.
    „Meine Tagesform wechselt sehr. Manchmal weiß ich einfach nicht, wie ich mich mit meinen alten Knochen und Gelenken hinlegen oder wie ich wieder aufstehen soll. Alles tut mir weh.“
    Mir geht’s oft genauso und habe nicht annähernd dein Alter erreicht! Und es zerrt mich keiner vor’s Haus, muss ich mich selbst schieben. Also: weiter so, nicht aufgeben!

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