Meine kleine Welt

Annegret wird so oft gefragt: „Wie geht es denn dem Hannes?“ Woher sollt ihr das denn auch wissen, wenn ich gar nicht mehr schreibe?
Also, meine Welt ist ganz klein geworden.

Weil ich nämlich inzwischen noch älter geworden bin und gar nicht mehr viel kann. Deswegen gibt es auch keine Höhepunkte mehr zum Erzählen, nur noch ganz flache. Aber ein paar Erlebnisse fallen mir schon noch ein.


Vor einem Vierteljahr ungefähr habe ich an einer Exkursion teilgenommen! Ja, mit einem echten Förster als Führer.

Annegret besitzt ja ein kleines Stück Wald, und in diesem sind nur blöde Fichten, und in den blöden Fichten sind in diesem Jahr noch blödere Borkenkäfer, die alle Bäume umbringen wollen. Darum hat der Förster eine Exkursion zum Zeigen und Erklären angeboten, und Annegret hat uns angemeldet: „1 Person und 1 Hund!“ Insgesamt waren wir viele Menschen und 3 Hunde.

Die Tour ging im ersten Teil eineinhalb Stunden. Das habe ich ganz gut geschafft, weil wir nicht so weit gehen mussten, sondern meistens nur rumstanden.

Weil der zweite Teil aber nochmal genauso lang gehen sollte, ist Annegret lieber mit mir wieder zurückgegangen.

Dann hatte ich noch ein ganz kleines Erlebnis, das war so schön wie ein Traum! Früher habe ich immer gerne Vogelstimmen gehört, auch, wenn Annegret zum Lernen CDs mit Vogelstimmen z.B. im Auto angehört hat. Aber seit ich so schwerhörig bin, kriege ich da ja nix mehr von mit. Nun liege ich vor längerer Zeit unterm Tisch und schlafe…

… als ich auf einmal eine Nachtigall höre! Was ist denn das???

Es gibt überhaupt keinen Zweifel! Ich rappel mich hoch und gehe zu Annegret, die auf ihrem Sessel sitzt, mit ihrem Laptop auf den Knien.

Ich gehe ein bisschen näher ran, konzentriere mich und höre tatsächlich direkt neben mir den Nachtigallen-Gesang!

Noch näher, mit einem Ohr ganz dicht ran!

Und dann: Augen zu und nur noch genießen!

Was fällt mir denn noch ein? Ach ja, Eier holen beim Biobauern schaffe ich auch meistens noch.

Das ist ein schöner Weg.

Manchmal watschelt ein Wegweiser vor uns her,

aber wir würden die Eier auch alleine finden.

Ich warte draußen, bis Annegret die Eier abgezählt, eingepackt und bezahlt hat. Auf dem Rückweg geht´s oft noch am Biofleisch vorbei.

Jetzt muss ich mal eben nachdenken, ob ich noch irgendwas erzählen kann.
Ja, genau, Europawahl! Nicht ohne mich!

Dazu müssen wir immer in die Grundschule.

Was Annegret angekreuzt hat, hat sie mir nicht gesagt.

Jetzt will ich euch noch ein paar Bilder von unserem Garten zeigen. Hier gehe ich jeden Tag oft auf und ab. Das sind schöne kleine Strecken, und mir gefällt alles so gut.

Ich hatte sogar neulich mein Nachbarmädel „Lotta“ zu Besuch.

Aber so recht wusste sie mit mir nichts anzufangen. Ich glaube, die hat sich nur gewundert, was ich für ein altes Tier bin!

Dann zeige ich euch noch unsre Amsel-Familie!

Die war oft bei uns auf der Terrasse. Drei Riesenbabies! Und immer maximal hungrig! Annegret hat den Eltern ein bisschen mit Futter geholfen. Mit einer Apfelhälfte kommt man ganz schön weit.

Ich denk mal eben nach, ob mir noch was einfällt.

Ach ja! Da war doch noch was! Ich habe eine kleine Lieblingsstelle, ein bisschen zugewachsen und heimelig.

An dieser Stelle grabe ich schonmal gerne. Und als Annegret mich neulich da sieht, fragt sie: „Hannes, wird das eine Grabstelle?

Das wäre aber ein schönes Plätzchen! Ich habe mir ja vor Jahren auch schon eins ausgesucht, aber woanders!“

Seit Pfingsten, also seit ein paar Tagen, geht´s mir sehr schlecht. Ich mag gar nichts fressen und saufen und selbst das Liegen tut mir weh. Zum Glück ist Annegret immer bei mir.

8 Gedanken zu „Meine kleine Welt

  1. Kirsten Landmann

    Oh lieber Hannes, ich mag dich gar nicht gehen lassen. Du bist so ein Süßer. Ich wünsche dir trotzdem viel Glück auf deiner Reise und einen guten Übergang.

    Auf Wiedersehen! Deine Kiki und Lola.

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  2. Die heilige Familie

    Machs gut im Hundehimmel, lieber Hannes!
    Und renne keine Wolke um, wenn Du mal Deine rasenden 5 Minuten hast…

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  3. Christiane

    Du warst und bleibst ein besonderer Hund. In Erinnerung und Herz.
    Hast du deinen Cousin Gino schon getroffen, da, wo du jetzt bist? Dann sag ihm: Wir haben auch ihn nicht vergessen. Und genießt das Cousingefühl!

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  4. Nachbarsmädel Lotta & Anhang

    Lieber Hannes, was für ein langes und abwechslungsreiches Leben du hattest!
    Wir sind sicher, dass das nur der Anfang war und es im Hundehimmel genau so weitergeht für dich.
    Mach et joot

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  5. Jutta Lichnock

    Lieber Hannes!
    Du bist und bleibst für mich der beste Geschichtenhund!!! Du hast so oft Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert!!!

    RUN Free

    Deine Jutta mit Dorle

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  6. Angelika Brandt

    Lieber Hannes!
    Jetzt bist du also im Hundehimmel! Irgendwie dachte ich, du bist unsterblich. Deine herrlichen Reiseberichte werde ich vermissen. Du bist so ein liebenswerter, witziger und auch souveräner Bursche gewesen!
    Deine Angelika

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