Jubel-Jodel-Urlaubsbrief

Jubel – Jodel – Urlaubsbrief

Meine lieben, guten, vielen Freunde!

ICH WAR IN URLAUB !!!
UND WIE !!!

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Ich weiß gar nicht so recht, was ich zuerst erzählen soll. Vielleicht vorab ein paar Stichworte:

1. Ich habe noch nie so hohe Berge gesehen!
2. Ich bin zum Säufer geworden!
3. Ich hatte Probleme mit den Kühen!
4. Ich mag keine Regen- und Ruhetage!

Also, es begann mit einer langen Fahrt an einem heißen Tag. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wo es hinging. Nur, dass es in Urlaub geht, war mir klar, als Annegret zu packen anfing. Mein roter Rucksack gehörte auch wieder zum Gepäck.

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Während der Fahrt war ich – wie üblich – unglaublich schläfrig und müde. Aber was ich dann bei unsrer Ankunft zu sehen bekam, konnte ich kaum glauben. „Das sind“, sagte Annegret, „die Allgäuer Alpen!“

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Annegret hatte eine herrliche Ferienwohnung ausgesucht mit einem Balkon, von dem aus man alles sehen konnte:

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Die nahen und die fernen Berge …

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… Nachbars Misthaufen …

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… oder Kühe …

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… oder die Feuerwehr …

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… oder diesen bescheuerten Regen mit seinen bodentiefen Wolken!

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Am ersten Tag haben wir nach dem Einkaufen gleich ein bisschen die Gegend erkundet, obwohl es nach unserer Ankunft grauenhaft heiß war. Schon nach wenigen hundert Metern hatte ich mein erstes Kuh- und Sauferlebnis. Ich bin ja nie ein großer Schluckspecht gewesen. Annegret meint immer, ich müsste viel mehr saufen. Leitungswasser mag ich aber nicht gerne, und Pfützen, die oft einen superguten Geschmack haben, gibt es nicht immer. Aber hier, kaum dass wir auf dem Weg sind, treffe ich auf einen großen Wassertrog voll mit dem herrlichsten frischen Natur-Berg-Wasser. Allerdings mit einem Problem: Ich fühle mich beobachtet! Warum glotzt die blöde Kuh mich nur so an?

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Ob sie denkt, ich ließe nichts übrig? Ich probiere. Und mit dieser Kostprobe bin ich schon auf den Geschmack gekommen. So etwas Leckeres! Eigentlich habe ich danach überhaupt keine Gelegenheit mehr ausgelassen, Bergwasser zu schlappen. Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich sogar süchtig geworden.

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Die Kühe und Rindviehcher – es gibt große Mengen davon – haben mich allerdings genervt. Nicht ihrer Kuhglocken wegen. Die höre ich total gerne. Sondern ihrer Neugier wegen!

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Als wenn die noch nie einen Hund gesehen hätten! Also, das war nämlich so ähnlich wie in den Vogesen, dass die Wanderwege einfach über die Viehweiden verlaufen und man manchmal durch die Kühe durch muss. Dann kamen sie angebimmelt und machten einfach nicht vor uns Halt, weil sie mich ganz direkt aus der Nähe sehen und am liebsten noch anstupsen wollten.

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Das fand ich überhaupt nicht witzig. Deswegen habe ich einfach einen Sprung auf sie zu gemacht, um sie ein bisschen zu erschrecken. Das hat zwar prima funktioniert, aber nicht lange. Und ich selber habe auch immer gleich wieder einen Satz rückwärts gemacht. Man kann ja nie wissen …

Ja, nachdem wir dann unser “Kuhdorf” ein wenig zurückgelassen hatten,

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gab es das erste Entzücken für Annegret: Die Almwiesen in voller Frühjahrsblüte! Sie konnte sich überhaupt nicht einkriegen vor lauter Herrlichkeit:

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Wiesenknöterich, Trollblumen, Storchenschnäbelchen, Wollgras, Orchideen in rauen Mengen, Akelei, Kuckuckslichtnelken, Klee, Simsenlilien, Frauenmantel, Gold- und Bergpippau, Margeriten und was weiß ich alles.

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Alles, was sie nicht kannte, hat sie sich genau eingeprägt und nachher im Buch nachgesehen.
Und soll ich euch was sagen?

Selbst mir als Hund haben diese Blumenwiesen so dermaßen gut gefallen, dass ich mich darin wälzen musste!
“Spinnst du?” rief Annegret, “Schmeiß dich da nicht mit deinem dicken Hintern rein, das steht alles unter Naturschutz!!”

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Na und?
Wenn ich mich wälzen muss, dann ist das auch Natur, und zwar pur!
Annegret hat mich wahrscheinlich sogar beneidet.

Wenn es nicht so furchtbar heiß gewesen wäre, wären wir wohl noch länger bergan gestiegen, aber Annegret meinte, am ersten Tag sollten wir nicht gleich übertreiben, sondern uns erst ein bisschen an die Höhensonne gewöhnen.

Das war mir ganz recht, denn ich musste mich mal eben ausruhen. So viel neue Eindrücke auf einen Schlag muss man ja erst einmal verarbeiten.

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Am zweiten Tag wurden wir wieder von Kuhglocken geweckt. Die vier Bauern aus dem Dorf bringen nämlich ihre Kühe immer gemeinsam auf die riesig großen Weiden. Und die Rietzler-Kühe vom Bauernhof unterhalb gingen immer direkt unter unserem Balkon lang, bevor sie mit den anderen Kühen zusammen weiter trotteten.

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Übrigens waren die Bauern im Milchstreik. Aber die Kühe nicht. Die mussten trotzdem gemolken werden.

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Morgens beim Aufwachen frohlockte Annegret darüber, dass sie nur ein Auge aufmachen brauchte, um die Berge zu sehen. Ohne aufzustehen, vom Bett aus!

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Ich selber habe ja auch immerfort rausgeguckt, vom Balkon aus.

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Übrigens sagte Annegret mir, dass die höchsten Berge über 2600 m hoch sind. Und alle massiv!

Ich kann jetzt nicht von jedem Tag etwas aufschreiben, das wäre mir viel zu lästig. Aber wichtig ist, dass sich schon am Abend des zweiten Tages schlechtes Wetter ankündigte. Den Beweis hatten wir gleich am nächsten Morgen: Die Kühe läuteten zwar, um uns zu wecken, aber die Berge waren futsch. Nur Wolken und Regen ohne Ende. “Okay”, sagte Annegret, “dann müssen wir eben viel schlafen und uns so erholen”. Witzig fand ich das überhaupt nicht. Dafür braucht man nicht unbedingt in Urlaub fahren, oder?

Rausgegangen sind wir natürlich trotzdem, aber wir wurden so furchtbar nass, dass ich danach zum Trocknen eingepackt werden musste.

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Außer Schlafen hat Annegret immerfort Karten studiert, um die Berge bestimmen zu können.

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Allerdings ohne Erfolg. Bei diesem Wetter gab es nur noch Nebelhörner.

Zumindest einer der vier Schlechtwettertage in Folge war halbwegs trocken. Wir also sofort los, um eine Wanderung in einem Moorgebiet zu machen.

Das war so schön hier, dass ich mich wieder wälzen musste!

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„Pass auf“, sagte Annegret, „dass dir beim Wälzen nicht mal der Kopf abbricht!“

Danach kam eine Passage, bei der ich mich über meine Abiturleistung gefreut habe. Erinnert ihr euch an “Laufen auf Gittern und Lochblechen – sehr gut” ?

Ja, dass ich das gelernt habe, war wirklich sehr gut. Wir wären sonst nicht weitergekommen. Ich habe einfach meine Pfoten breit gemacht zu richtigen Quadrat-Latschen, und mit dieser Fähigkeit und mit großer Konzentration habe ich den langen Steg bewältigt.

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Danke, Annegret.

Danach musste ich mich stärken. Dem Schluckspecht schmeckt es bei jedem Wetter.

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Kaum, dass Annegret nach einer Woche Aufenthalt jede Menge Ansichtskarten verschickt hat mit “Stinksaure Grüße aus dem verregneten Allgäu …” wird das Wetter besser. Jetzt hält uns nix mehr. Wir wandern los.

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Die Wolken steigen mit uns. Der Gratpfad über die “Sonnenköpfe” geht sage und schreibe fast auf 1800 Meter hoch! Irrsinnig steiler Anstieg! Beide kraxeln wir auf allen Vieren! 1000 Meter Höhendifferenz bewältigt! Enzian! Alpenrosen! Schnee!

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Nach vier Stunden Anstieg sind wir allerdings zum Wälzen zu groggy.

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Aber die Welt ist wieder in Ordnung. Nirgendwo anders möchten wir jetzt sein!

Nächster Tag: Annegret spricht von Ruhetag. Das finde ich nun gar nicht witzig! Reicht denn nicht die Ruhe-Nacht?

Aber erst noch einmal zu den Kühen: Wenn diese morgens zur Weide gehen und abends zurückkommen, beklackern die alle Wege und Straßen, dass man unglaublich aufpassen muss, wo man hintritt.

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Der Milchstreik ist übrigens beendet.

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Als der Tanklaster die Milch abholt, klackert auch er. Hhhmmm …

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Annegret lässt sich wenigstens zu einer dreistündigen “Hausberg-Runde” überreden. Und was haben wir wieder?
Etwa 20 Rindviehcher kommen angerannt, um mich zu bestaunen. Wie ich das liebe!

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Aber diesmal ist zum Glück ein Zaun dazwischen.

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Übrigens:
Mit den Durchlässen zu den Weiden komme ich überhaupt nicht klar.
Wenn ein Drehkreuz da ist, kann ich drunter her gehen.

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Und an einer Zickzackstelle komme ich auch glatt durch.

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Aber diese schwenkbaren Metallgatter habe ich nicht geschafft. Die sind wohl nur für senkrechte Personen gedacht, aber nicht für lange Hunde. So etwas Blödes! Ich kann mich doch nicht in der Mitte knicken!

Dann kündigt Radio Allgäu den schönsten Tag der Woche an! “Weißte was?” fragt Annegret. “Dann machen wir heute die Hörnergruppe”. Das ist – genau wie die Sonnenköpfe – eine Bergkette, nur auf der anderen Seite. So um die 1500 m hoch.

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Durch irgendein Versehen machen wir dann aber ´ne ganz andere Tour. Aber schöööön!
Und lecker!

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Egal, welches Wasser ich probiere: Hier schmeckt alles. Ich habe aber auch mächtig Durst, denn es ist sehr heiß geworden. Annegret nimmt sich immer eine Flasche mit in den Rucksack. Meiner ist noch gar nicht zum Einsatz gekommen. Das ist aber auch nicht nötig, denn ich finde ja genug zu schlappen unterwegs.

Nachdem wir etwa drei Stunden unterwegs und von der Höllritzer Alpe wieder steil abgestiegen sind, plant Annegret, doch noch die Hörnergruppe in Angriff zu nehmen. Das heißt mindestens noch 3 Stunden mehr. Gerade haben wir den nächsten Anstieg begonnen, fallen ein paar Regentropfen. Und auf einmal gießt das los, dass wir uns nur noch retten können, indem wir in einen ganz großen, überdachten Futtertrog springen. Hier wird zur Winterzeit das Wild versorgt.

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So ein Glück aber auch! Wir wären ja bis unter die Haut nass geworden, denn es schüttet wie aus Kübeln.

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Das ist genau der richtige Zeitpunkt, um zu vespern. Annegrets Rucksack gibt mancherlei her.

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Nach 20 Minuten hört´s auf zu regnen. Wir machen nun doch keine Erweiterung mehr, sondern gehen in eineinhalb Stunden zum Auto zurück.

Abends träume ich von der Hörnergruppe, während Annegret wieder ihre Land- und Wanderkarten bebrütet. Ob sie da jemals mit fertig wird?

Nächster Tag: Wetter nicht schlecht. Annegret sagt: “Dann machen wir heute die Hörnergruppe. Von Sigiswang aus.” Vom Balkon kann man einen Teil der Strecke erkennen! Der Aufstieg von Sigiswang ist zweifelhaft beschildert, deswegen gehen wir bis Ofterschwang. Aber auch hier treffen wir den Weg nicht auf Anhieb.

Die Sesselliftschneise kann doch nicht der Wanderweg sein??

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Wir versuchen eine andere Möglichkeit.
Der Pfad verliert sich in der Wildnis, – ich bin ratlos.

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Dann hilft uns aber ein Eingeborener, und der Anstieg beginnt.

Es ist abartig steil. Ich bedaure mal wieder die senkrechten Zweibeiner, die in solchem Gelände so zu bemitleiden sind! Selbst für mich ist es anstrengend. Und als wir den Waldrand erreicht haben und auf einer Wiese stehen, sehen wir das Schild “Jägerabfahrt”. Eine Abfahrt für Weltcup-Rennen! Abends, als Annegret die Karte studiert, sagt sie: “Weißte was? Auf 300 Streckenmeter kommen 100 Höhenmeter!”

Als wir endlich nach 2 Stunden oben ankommen, ist Annegret in Schweiß gebadet, mir hängt die Zunge bis zum Boden.

Und was sehen wir hier?? Zwei Pseudo-Wanderer, die ihre dicken Bäuche offensichtlich mit dem Sessellift nach oben gebracht haben und jetzt eifrig Umschau halten nach einer Einkehr.

Wir indes marschieren jetzt federleicht los auf dem Panoramaweg und haben die Hörnergruppe in doppelter Ausführung!

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Es fängt ein bisschen an zu nieseln. Annegret holt sich den Anorak aus dem Rucksack.
Ich bin ja – wie immer – passend angezogen.

Als der Pfad immer schmaler wird und es zur einen Seite sehr steil abfällt, entdecken wir einen uns unbekannten Vierbeiner. Ein Alpensalamander!

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„Diese können so alt werden wie Hunde“, sagt Annegret. Sie hat es nämlich nachgelesen.

Beim Abstieg, so grauenhaft steil wie der Anstieg, treffen wir auf eine Alpe; leider nicht bewirtschaftet. Ich habe überall nachgesehen.

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Aber die Überraschung lässt nicht lange auf sich warten: Wir kommen an eine Sennerei!

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Jetzt schleicht Annegret herum. Obwohl ein Auto da steht (und natürlich Kühe!), sieht sie niemand. Also ruft sie. Und schon taucht die Sennerin auf und zeigt und erklärt alles:

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Jeden Morgen wird die frische Milch im Kupferkessel über einem offenen Feuer erwärmt und bearbeitet, und jeden Tag entsteht ein neuer riesiger Bergkäse, groß wie ein Autoreifen, und verkaufsfertig erst im Herbst.

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Uff! Ein anstrengender Tag war das! Ich nehme mir noch meinen Plüschknochen (übrigens ein Designer-Exemplar, das Steffi extra für mich aus Amerika mitgebracht hat), und dann ruhe ich mich aus.

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Wenigstens ein Stündchen. Es muss ja nicht gleich ein ganzer Tag sein.

Irgendwie muss ich mal zum Ende kommen. Das ganze Jubel-Jodel-Briefeschreiben strengt mich noch mehr an als der Urlaub. Nur ein paar Bilderchen fehlen noch:

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Dass der Urlaub zu Ende ging, habe ich sehr wohl gemerkt.
Und das fand ich überhaupt nicht witzig!
Ich habe ziemlich lange nachgedacht, wie ich das verhindern kann.

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Aber es gab keine Möglichkeit.

Allerdings musste Annegret mir etwas versprechen,
sonst wäre ich über-, überhaupt nicht mit nach Hause gefahren.

Und sie hat es mir versprochen:
“Hannes, hier fahren wir beide noch einmal hin! “

 

Wenn ich wieder etwas Wichtiges erlebe, informiere ich euch!

Tschüss
euer Hannes

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