So alt war ich noch nie!

„Hallo, Hannes! Du hast Geburtstag heute! So alt warst du noch nie! Herzlichen Glückwunsch!“

Echt? Schon wieder Geburtstag? Das muss ich mal bedenken.
„Tja“, sagt Annegret, „jetzt biste schon 13! Wenn´s nach mir ginge, dann wär das erst die Hälfte.“
Außerdem bin ich heute genau 12 Jahre bei Annegret. Ihr wisst schon: Valentinstag, das ist unser Lieblingstag, weil wir seit dem Valentinstag 2004 zusammen leben.

Jetzt ist mir auch klar, warum Annegret gestern so viel gekocht und gebrutzelt hat. Für mich!
„Spielsächelchen brauchste nicht mehr, oder?“

Trotzdem habe ich von Freunden noch ein Spielsächelchen bekommen, von Annegret aber nur Lieblingsleckeres.
Und zwar hatte sie einen ganzen Topf mit Hühnchenfleisch und Reis gekocht
und noch was in unserem größten Topf gebraten. Der Topf ist fast so groß wie der ganze Herd.

Nicht auszuhalten, diese Wohlgerüche!
Am Morgen dann, gleich nach dem Gratulieren, hätte ich direkt was aus dem Topf schnabulieren dürfen. Annegret hat ihn mir nämlich hingehalten.
Ich hab´mich aber nicht getraut, weil ich viel zu gut erzogen bin. Ich habe einfach nach links und rechts weggeguckt.
Deswegen hat Annegret mir was in meinen Napf gelöffelt. O, wie lecker! Njam-njam-njam.
Danach war ich erstmal 2-3 Stündchen alleine, weil ja Sonntag war und Annegret daher in die Kirche musste.

Als sie wiederkam, da war der große Topf dran.

Riesendicke gebrätelte Fleischbrocken, alle für mich.
Aber wieder traue ich mich nicht, mir was zu nehmen. Annegret reicht mir ein Stück an.
„Glaub bloß nicht, Hanneshund, dass du das alles heute bekommst! Ich nehme dir zwar nix weg, aber ich will es dir doch lieber einteilen.“

Danach geht´s weiter mit der Bescherung. Ein Hocker ist mein Geschenktisch.
Schnell mal kontrollieren, ob auch Käse dabei ist.
Ja, da ist er ja, sogar ein ganzer Block. Ich mag Käse doch so gerne.

Nach dem Mittagessen schlägt Annegret eine große Geburtstagshunderunde vor, auch wenn das Wetter ziemlich scheußlich ist. „Vielleicht treffen wir ja noch auf ein paar Gratulanten“, meint sie.
Eine E-Mail hat sie mir schon vorgelesen:
Hallo Hannes, ich wünsche dir einen ganz tollen Hunde-Geburtstag mit vielen Leckerlis und ganz viel Spaß. Feier schön! Liebe Grüße von Silvia Christ

Und jetzt geht´s raus! Wir fahren ein Stückchen mit dem Auto. Ich bin gespannt. Aha, von Adendorf aus geht´s los.
Erstmal in die freie Feldflur. Die Wege sind total matschig, aber ich darf sogar lose laufen.

Da ist gleich mal ein Glücksspritzer fällig.
Und dann kriege ich Rennfieber. Seht ihr, wie ich um die Kurve geflogen komme?
Dieses Tempo kriegt man natürlich nur drauf, wenn man alt genug ist.
Wir gehen weiter bis zur nächsten Ortschaft.

„Hannes!“ ruft Annegret, „sieh mal, wer dir gratulieren will! Der alte Ludwig streckt dir schon die Hand entgegen!“
Alter Ludwig? Den kenne ich nicht. Macht aber nix. Hauptsache, er kennt mich!

Danach kommen wir zu einem Kapellchen und Annegret meint, hier sollten wir mal ein Dankgebet sprechen für unsere 12 schönen Jahre.

Weiter geht´s. Und schon kommen die nächsten Gratulanten angerannt. Ist denn das zu glauben?

Ein Schaf will mich sogar bützen!
Dann kommt eine ziemlich üble Waldpassage.

Schlammassel pur. Aber heute sind wir nicht zimperlich. Augen auf und durch!

Boah, den Baum hat ein Blitz gekillt!

Irgendwann sind wir dann am Auto zurück. Ich bin mehr als zufrieden.
Zu Hause überprüfe ich mal eben, ob noch alles da ist.

Annegret will aber alsbald schon wieder los. Sie will noch mal zur Gemeinde fahren und miterleben, wie die Presbyterwahl ausgegangen ist. Da möchte ich natürlich mit, denn da kenne ich ja ganz viele Leute. Vielleicht wollen die mir auch noch gratulieren.

 

Ganz viele Streicheleinheiten und Glückwünsche gibt es für mich. Und danach stehen wir ziemlich lange und langweilig rum, weil die Zählung nicht fertig wird.
Endlich weiß Annegret Bescheid und es geht nach Hause.
Ich dachte schon, jetzt wäre mein Geburtstag fertig, aber Annegret setzt noch einen drauf: „Hannes, das Beste kommt zum Schluss!“
Und dann fängt sie in der Küche an, meinen Käse zu bearbeiten. Seht euch mal so etwas an!
Hier entsteht eine Käsekette!
Kaum ist die fertig, kommt noch Besuch!
Meine Alltagsfreundin Lotte (wir sind ungefähr gleich alt) kommt noch vorbei.
Annegret will für uns diese witzige Käsekette auf der Terrasse spannen, damit wir die Würfel ernten können, aber da hören wir, dass Lotte keinen Käse verträgt.

So ein Pech! Dann müssen wir halt in die Röhre sehen.

Später aber, als Lotte gegangen ist, darf ich noch Käse pflücken.

Ich hatte mir das allerdings ein bisschen einfacher vorgestellt.

Die Würfel kann ich gar nicht abziehen. Die sind viel zu gut gefädelt.
Ich muss sie direkt an der Leine zerknatschen.
Aber nach 6 Stück heißt es: „Schluss, aus, Feierabend!“
Mehr darf ich nicht auf einen Schlag. Der Rest wird wieder abmontiert und eingepackt.

So, jetzt sagt selbst: War das nicht ein herrlicher Tag?
Wenn ihr auch mal dreizehn werdet und solch einen schönen Geburtstag habt, kann ich euch nur beglückwünschen.

Euer Hannes

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